Axa-Studie: Höchstes Börseninteresse in Schleswig-Holstein

Veröffentlicht von

+ Menschen aus SH finden Geldanlage in Aktien „hochinteressant“
+ Börse laut Schleswig-Holsteinern grundsätzlich seriös
+ Jedoch: Anspruch und Realität klaffen weit auseinander

Der Konzern für Versicherungen und Vermögensverwaltung Axa hat in seiner 2019er Auflage des „Deutschland-Reports“ den Themenfokus verstärkt auf die Altersvorsorge und den Finanzmarkt gelegt. Überraschendes Ergebnis: In keinem deutschen Bundesland ist die Bereitschaft zur Geldanlage in Aktien so groß wie im hohen Norden.

Schleswig-Holsteiner: „Börse hochinteressant“
So finden es 49% der Schleswig-Holsteiner „hochinteressant“, ihr Geld an der Börse anzulegen. Damit belegt der hohe Norden bundesweit den Spitzenplatz. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 42%. Im Hamburg interessieren sich immerhin noch 40% der Menschen für die Börse, in Thüringen und Sachsen-Anhalt hingegen nur 30%. Damit belegen beide Bundesländer den geteilten letzten Platz in der Studie.

Überhaupt lässt sich aus der Studie ein großes Ost-West-Gefälle herauslesen. So belegen die ostdeutschen Bundesländer ohne Berlin die hintersten Ränge. Einzige Ausnahme bildet dabei das Saarland. Dort interessieren sich nur 36% für die Geldanlage an der Börse – Platz 13. Die Zahlen spiegeln damit sicherlich auch einen Teil der Geschichte dieser Bundesländer wieder.

Weitere Bestwerte für den hohen Norden
Neben der hohen Anlagebereitschaft an der Börse liegt Schleswig-Holstein noch an anderen Stellen vorne. So halten nur 7% der Befragten die Geldanlage an der Börse generell für unseriös. Im Bundesdurchschnitt sind dies immerhin 14%, in Brandenburg bereits 24%. Hamburg liegt in dieser Kategorie auf den Bundesdurchschnitt.

Auch in Sachen Optimismus können die Schleswig-Holsteiner glänzen. So glaubt kein Bundesland mehr an ein schnelles Ende der Niedrigzinsphase. Nur 16 Prozent glauben, dass es die niedrigen Zinsen noch mindestens 5-10 Jahre geben wird. Bundesweit sind es 20%.

Ebenfalls in der Aussage, die Börse berge für die Geldanlage unkalkulierbare Risiken, stimmt kein Bundesland weniger zu, als die Schleswig-Holsteiner. Hierzulande sind es 48%, bundesweit hingegen 56%.

Große Defizite beim Börsenwissen
Allerdings zeigen sich hierzulande auch Defizite. So geben 41% der Schleswig-Holsteiner und Hamburger an, sich zwar für die Geldanlage an der Börse zu interessieren, ihnen fehle jedoch das Wissen dazu. Trauriger Spitzenreiter in dieser Kategorie ist erstaunlicherweise das Bundesland Hessen, wo satte 48% dieser Aussage zustimmen. Bundesweit sind es immerhin noch 39%. Am gebildetsten gaben sich die Rheinland-Pfälzer mit nur 30% aus.

Erwarteterweise zeigen die Daten auch, dass die Bereitschaft zur riskanteren Geldanlage via Aktien&co. auch vom Geschlecht abhängig ist. Während unter den Männern jeder Zweite sich für die Börse interessiert, sind es bei den Frauen nur noch 34%.

Sämtliche bundesland-spezifischen Daten sind jedoch durchaus mit Vorsicht zu genießen. So wurden für die Studie bundesweit über 2.000 Menschen befragt. Während die Grundgesamtheit damit bundesweit durchaus groß genug erscheint, ist die Stichprobe auf die einzelnen Bundesländer bezogen jedoch hier und dort etwas dünn.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander
Zudem scheinen die Daten teilweise im Widerspruch zu den Erkenntnissen des Deutschen Aktien Institutes (DAI) zu stehen. Dort stellt man einen massiven Aktionärsschwund fest, je weiter man sich von den Metropolen Frankfurt am Main und Berlin wegbewegt. Gerade die ländlichen Räume, von denen Schleswig-Holstein sehr viele hat, bilden mitunter regelrechte weiße Flecken auf der Landkarte der Aktionärsdichte. Sich nur für Aktien und Börse zu interessieren reicht also offenbar nicht, um auch wirklich darin zu investieren.

Die vorliegende Axa-Studie belegt damit eindrucksvoll, wie stark Anspruch und Wirklichkeit bei vielen Menschen auseinander liegen kann. Während die meisten Bürger durchaus wissen, dass gerade zu Zeiten niedriger Zinsen praktisch nur Aktien und ähnliche Wertpapiere gute Renditen erzielen können und bei einer langfristigen Anlage zudem das generelle Risiko kaum noch signifikant über dem von festverzinslichen Wertpapieren liegt, investieren letztlich doch nur die wenigsten Menschen auch tatsächlich in Aktien.

Vielfältige Gründe für geringe Aktionärsdichte
Das DAI begründet dies unter anderem mit einer zu hohen Regulierung bei der Anlage in Wertpapiere. Dort fordert man seit langem eine teilweise Deregulierung, die die Depoteröffnung für Privatanleger einfacher machen soll. Zudem solle der Staat die Altersvorsorge mit Aktien besser fördern und den Vermögensaufbau in die Lehrpläne an den Schulen aufnehmen.

Ein weiterer Grund für die geringe Aktionärsdichte in Deutschland – eine der niedrigsten in Europa – dürfte zudem der schlechte Ruf der Börse in der Öffentlichkeit sein. Von vielen wird die Finanzkrise vor allem mit Zockern an der Börse in Verbindung gebracht. Einige „alte Hasen“ am Finanzmarkt berichten zudem, dass sich die Privatanleger vor allem nach dem Platzen der „Dotcom-Blase“ zurückgezogen hätten und seither nicht mehr zurückgekehrt seien.


Quellen & Links:
– Deutschland-Report – Pressemitteilung
– Deutschland-Report – Übersicht über die Ergebnisse
– Deutschland-Report – Bundeslandspezifische Daten

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.