Freenet-Management im Vorstandswoche-Interview

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+ Geschäftsverlauf im Q3 nach Plan
+ Ceconomy-Verlust soll mit Eigenkapital verrechnet werden
+ Dividende bleibt stabil

Freenet-CEO Vilanek und die Vorstandswoche sind gute Freunde. Immer wieder gibt er dem Online-Magazin freigiebige Interviews. So auch jetzt. In dem Gespräch sprach er unter anderem über den Verlauf des 3. Quartals, die Ceconomy AG, das TV-Geschäft und die Sunrise AG.

Q3 verläuft nach Plan
Das 3. Quartal 2018 sei weitgehend wie erwartet verlaufen. Und auch die Prognose für das Gesamtjahr stehe unverändert, lässt sich Freenet-CEO Christoph Vilanek im Gespräch mit der Vorstandswoche zitieren. Man erwarte exklusive der Sunrise-Beteiligung nach wie vor ein Ebitda zwischen 410 und 430 Mio. Vilanek lässt jedoch auch durchblicken, dass man sich ohne Sondereffekte vermutlich eher am unteren Ende dieser Spanne bewegen wird. Die endgültigen Q3-Zahlen werden am Donnerstag veröffentlicht.

Sondereffekte I: Media Broadcast
Ein positiver Sondereffekt in 2018 war der Verkauf der Infrastruktur der Media Broadcast. Um 7,3 Mio. Euro konnte so das Ebitda einmalig im zweiten Quartal gesteigert werden. Diese Tochtergesellschaft hatte bisher vor allem die UKW-Sendemasten betrieben, über die viele Deutsche ihren Radio-Empfang beziehen. Der Verkauf hatte in der Folge Schlagzeilen gemacht, weil unter den neuen Besitzern zeitweise eine UKW-Abschaltung drohte, welche jedoch letztlich abgewendet werden konnte.

Sondereffekte II: Ceconomy AG
Ein weiterer Sondereffekt – diesmal im negativen Sinn – betrifft die Beteiligung an der Ceconomy AG. Im Juni hatte die Freenet AG rund 9% der Ceconomy zu 8,50 Euro pro Aktie erworben. Da die Aktie zu diesem Zeitpunkt jedoch nur bei rund 7,20 Euro notierte, muss der sogenannte „First-Day-Loss“ abgeschrieben werden. Dies wird das Ergebnis um rund 47 Mio. Euro belasten.

Verlust durch Ceconomy-Beteiligung soll mit Eigenkapital verrechnet werden
Was die weiteren aufgelaufenen Verluste durch die Ceconomy-Beteiligung betrifft, so versucht man die Anleger zu beruhigen. Nach dem Kauf waren die Papiere von Ceconomy zwar zunächst gestiegen, befinden sich seither jedoch im freien Fall. Eine Aktie kostet heute noch lediglich 4,48 Euro – ein Minus von über 47 Prozent oder 130 Mio. Euro. Doch offenbar plant man diese Verluste nicht gewinnmindernd abzuschreiben, sondern mit dem Eigenkapital zu verrechnen. Ein Kosmetiktrick also, der zwar auf dem Papier besser aussieht, jedoch erfahrene Anleger kaum beruhigen wird. Zur allgemeinen Geschäftsentwicklung bei Ceconomy äußerte man sich im Gespräch nicht.

Stabile Dividende in Aussicht
Da die Verluste im Rahmen der Ceconomy-Beteiligung nicht ergebniswirksam und schon gar nicht Cash-Flow-mindernd sind sieht sich Finanzvorstand Ingo Arnold in der Lage auch für die 2019 auszuzahlende Dividende einen stabilen Betrag in Aussicht zu stellen. Ob die Dividende erneut um 5 Cent erhöht werden wird oder nicht, darüber wollte er jedoch nicht spekulieren. Mit einer Dividendenrendite von mehr als 8% wäre auch ein Betrag von wie bisher 1,65 Euro fast schon rekordverdächtig. Diese hohe Dividendenrendite ist jedoch vor allem der zuletzt äußerst schwachen Kursentwicklung geschuldet.

TV-Geschäft als Wachstumshoffnung
Für 2019 wollten die Freenet-Manager noch keine Prognose abgeben. Da der Mobilfunkmarkt jedoch kaum noch weiteres Wachstum zu liefern vermag soll in Zukunft vor allem das neue TV-Geschäft für steigende Erträge sorgen. Vilanek betont, man wolle die Kundenzahl bei FreenetTV bei über 1 Mio. Kunden halten. Die Zahl der waipu.tv-Abonnenten soll hingegen deutlich gesteigert werden. Von 174.000 Kunden Ende Juni soll die Zahl bis zum Jahresende auf über 275.000 ansteigen. Auch für 2019 ist bei waipu.tv eine starke Expansion geplant. Zur bekannten 5G-Problematik am Mobilfunk-Markt gab es hingegen keine Äußerung.

Sunrise-Verkauf nach wie vor geplant
Ein Highlight für die Aktienmärkte sieht Freenet-CEO Vilanek vor allem in einem möglichen Verkauf der Sunrise-Beteiligung. Bereits seit längerem macht er keinen Hehl daraus, dass Freenet seine Sunrise-Anteile mittelfristig verkaufen möchte. Jedoch betont er auch im Gespräch mit der Vorstandswoche erneut, keinen Druck bei einem etwaigen Verkauf zu haben. Bis sich hier etwas tut könnte es also noch ein wenig dauern. Die Sunrise-Beteiligung steht bei Freenet mit rund 900 Mio. Euro in den Büchern. Seit dem Einkauf haben die Aktien deutlich an Wert zugelegt und notieren heute nahe an ihrem Allzeithoch.

Verschuldung in 2019 steigt
Durch einen Sunrise-Verkauf sieht das Freenet-Management vor allem eine gute Gelegenheit die hohe Verschuldung der Büdelsdorfer Gesellschaft zu senken. Für 2019 kündigt Vilanek jedoch ersteinmal einen deutlichen Anstieg des Verschuldungsgrads an. Dies hängt jedoch einzig mit den ab 2019 verbindlich anzuwendenden Regeln der IFRS-16 zusammen. Auf das Ebitda sollen sich die neuen Regelungen in einer Größenordnung von rund 50 Mio. Euro pro Jahr hingegen positiv auswirken.

Aktie leicht im Minus
Nach Meinung der Experten der Vorstandswoche sollte die Aktie bei rund 20 Euro ihren Boden finden. Man rät daher weiterhin zum Kauf der Aktie. Der Finanzmarkt hingegen straft die Freenet AG angesichts der Aussagen vom Vorstand heute mit einem Minus von 1,8% leicht ab. Die Aktie notiert zum Handelsschluss bei 19,82 Euro.


Quellen:
– Bericht auf wallstreet-online.de

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