Der Hypoport-Umzug nach Lübeck ist beschlossene Sache. Dass ein Unternehmen die Hauptstadt Berlin verlässt und in die mehr oder weniger beschauliche Hansestadt an der Trave zieht, ist wohl ein einmaliger Vorgang. Hintergrund ist der Immobilien-Streit mit der Berliner Senatsverwaltung, welcher eine lange Vorgeschichte hat. Diese hat Der SH-Investor an dieser Stelle einmal chronologisch für Sie aufbereitet:
Seit 2014: Die Hypoport AG wächst und wächst! Es gibt inzwischen bundesweit zahlreiche Niederlassungen und Tochtergesellschaften, allen voran „Dr. Klein“ in Lübeck. Da man sich langfristig zum Standort Berlin bekennen möchte, plant man die bisher nur angemieteten Büroräume in der Klosterstraße 71 in Berlin-Mitte zu kaufen. Die Verhandlungen mit den Eigentümern beginnen. Auch Vertreter der Senatsverwaltung sitzen stets mit am Verhandlungstisch. Davon, dass der Senat sein Vorkaufsrecht wahrnehmen könnte, verlieren deren Vertreter laut Hypoport nicht ein Wort.
Herbst 2017: Die Kaufverhandlungen sind zu einem positiven Ende gekommen und der entsprechende Vertrag ist unterschrieben. 15 Mio. Euro soll das Bürogebäude am Ende kosten. Banken stellen der Hypoport AG hierfür Kredite in selber Höhe bereit.
Weihnachtszeit 2017: Völlig überraschend erhält Hypoport ein Schreiben von Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), wonach die Stadt ihr Vorkaufsrecht für die Klosterstraße 71 wahrnehme. Der Brief geht am sage und schreibe letzten Tag der dreimonatigen Frist für das Vorkaufsrecht bei Hypoport ein. Die Senatsverwaltung wolle in dem Gebäude künftig eigene Mitarbeiter arbeiten lassen. Der Vorstandsvorsitzende Ronald Slabke tobt. Dem Unternehmen sei eine halbe Million Euro unmittelbarer Schaden durch Rechtsanwälte und Bereitstellungszinsen für den Kredit entstanden. Zudem hätte man rund zehn Million Euro für die erforderliche Sanierung des Gebäudes völlig umsonst beiseite gelegt.
Anfang 2018: Die Stadt Berlin bemüht sich, einen Ersatzstandort für die Hypoport AG zu finden. Angeboten werden dem Unternehmen Lokalitäten in Berlin-Buch, sowie in Berlin-Adlershof. Diese kommen für Hypoport-CEO Slabke jedoch nicht infrage. Er befürchtet zahlreiche IT-Entwickler zu verlieren, wenn das Unternehmen derart weit aus der Stadt rauszieht.
04. Mai 2018: Hauptversammlung bei Hypoport! Aufgrund des Immobilien-Streits mit der Senatsverwaltung findet sich unter anderem eine Beschlussfassung auf der Tagesordnung, welche einen Umzug nach Lübeck vorsieht. Dieser Umzug wird jedoch unter der Bedingung gestellt, dass 1. die Stadt Berlin tatsächlich Eigentümerin des Grundstückes Klosterstraße 71 wird und 2. der bestehende Mietvertrag nicht über den 31.12.2019 verlängert wird. Diesem Tagesordnungspunkt wird mit großer Mehrheit zugestimmt
Sommer 2018: Die Stadt Berlin bietet der Hypoport AG ersatzweise ein unbebautes Grundstück nahe des Hauptbahnhofes zur Erbpacht an. Ronald Slabke hält die vorgesehenen Bedingungen jedoch für unwirtschaftlich. Zudem sei gar nicht klar, ob das Grundstück überhaupt bebaut werden könne. Frühestens 2025 könnte dort laut Slabke mit einem Bau begonnen werden, weshalb man immernoch zehn Jahre zu überbrücken hätte. Hypoport lehnt das Angebot daher ab.
August 2018: Wirtschaftssenatorin Ramona Popp (Grüne) gibt in einem Interview bekannt, dass eine Lösung mit der Hypoport AG gefunden worden sei. Das Unternehmen bleibe Berlin daher dauerhaft erhalten. Hypoport selbst hat hiervon jedoch keine Kenntnis und weist die Aussagen von Popp zurück.
Herbst 2018: Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) macht der Hypoport AG ein mündliches Angebot zur Verlängerung des bestehenden Mietvertrages. Laut Hypoport gab es dazu in der Folge jedoch trotz mehrfacher Nachfrage keinen Schriftwechsel von Seiten des Senats.
Gestern, 11. April 2019: Hypoport-CEO Slabke bestätigt den anstehenden Umzug nach Lübeck auf Anfrage des Tagesspiegels. Es sei bis zuletzt nicht gelungen, eine tragfähige Lösung mit der Senatsverwaltung auszuhandeln.
Heute, 12. April 2019: Zahlreiche Vertreter des Landes Schleswig-Holstein, sowie der Stadt Lübeck heißen die Hypoport AG im nördlichsten deutschen Bundesland herzlich willkommen.

Zukünftige Ereignisse
15. Mai 2019: Hauptversammlung der Hypoport AG in Berlin! Um die Umsetzung des 2018 gefassten Beschlusses zu beschleunigen, soll gemäß Tagesordnungspunkt 9 der 2018er Beschluss zum Umzug aufgehoben und stattdessen ein neuer Umzugsbeschluss gefasst werden. Im Gegensatz zu 2018 sieht der neue Beschluss jedoch keine Bedingungen mehr vor und soll demnach sofort vollstreckt werden. Eine Mehrheit zu diesem Tagesordnungspunkt gilt als sicher. Doch selbst ohne Mehrheit wäre man weiterhin an den Beschluss aus 2018 gebunden. Ein Umzug würde also auch dann nicht scheitern, sondern lediglich etwas länger dauern.
31.12.2019: Der Mietvertrag für das Gebäude in der Klosterstraße 71 läuft endgültig aus. Laut Hypoport-CEO Slabke sei es inzwischen gelungen, eine neue Immobilie nördlich des Berliner Hauptbahnhofes zu finden.
Frühjahr 2020: Der Umzug in das neue Bürogebäude soll abgeschlossen sein.