5G-Frequenzauktion: Die Gewinner und Verlierer

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+ 6,5 Mrd. für den Staatssäckel
+ Künftig vierter Netzanbieter
+ Hohe Kosten für Unternehmen

Gestern hatte die spektakuläre 5G-Auktion nach mehr als 497 Versteigerungsrunden und über 12 Wochen ein Ende gefunden. Doch während es einige Gewinner zu geben scheint, zeichnen sich auch bereits die ersten Verlierer der Auktion ab. Der SH-Investor hat hierzu eine Übersicht für Sie erstellt.

Die Gewinner
Das Bundesfinanzministerium: Als größter Gewinner ist wohl das Finanzministerium unter Olaf Scholz (SPD) zu nennen. Die Versteigerungserlöse in Höhe von 6,5 Mrd. Euro – und damit 1,5 Mrd. Euro mehr als erwartet – fließen in dessen Haushalt. Scholz will das Geld anteilig in digitale Infrastruktur und Bildung investieren. So sollen unter anderem der Ausbau der Glasfasernetze, sowie der Digitalpakt Schule finanziert werden. Auch für den Mobilfunkausbau sind teilweise finanzielle Förderungen vorgesehen. Doch wie diese im Detail aussehen sollen ist noch nicht bekannt.

Die Verbraucher: Ebenfalls als Gewinner einzustufen ist sicher auch der deutsche Otto-Normal-Verbraucher. Dies resultiert vor allem aus der Tatsache, dass es mit United Internet, bzw. dessen Tochterunternehmen 1&1 Drillisch künftig einen vierten Netzanbieter in Deutschland geben wird. Da Wettbewerb die Preise bekanntlich sinken lässt, könnte es dazu kommen, dass die Verbraucher letztlich weniger Geld für ihren Mobilfunktarif werden zahlen müssen. Doch es könnte für Verbraucher auch einen Wermutstropfen in Sachen Netzabdeckung geben. Mehr dazu unter „Verlierer“ im Punkt „Die Netzabdeckung“.

Die Freenet AG: Die Entscheidung von Freenet, nicht an der 5G-Auktion teilzunehmen und weiterhin als Serviceprovider zu arbeiten, scheint sich auf den ersten Blick als goldrichtig herausgestellt zu haben. Nicht nur, dass der eigene Aktienkurs während der 5G-Auktion stabil blieb, während die Kurse der Konkurrenz teils stark rückläufig waren. Auch die Entscheidung der Bundesnetzagentur, Netzbetreiber zu einem diskriminierungsfreien Zugang zu den eigenen Netzen durch Wettbewerber zu verpflichten, hat das Geschäftsmodell der Freenet AG vorläufig gestärkt. So haben Netzbetreiber künftig die Pflicht, mit Serviceprovidern seriöse Verhandlungen zu führen. Es muss jedoch vorläufig offen bleiben, inwieweit sich dieses Verhandlungsgebot in der Praxis durchsetzen lässt und was dies für die Nutzungspreise für Freenet bedeutet. In jedem Fall dürfte Freenet es künftig allein schon wegen des bald (wieder) vorhandenen vierten Netzanbieters deutlich leichter haben auch rein privatrechtliche Verhandlungen zu einem Erfolg zu bringen. Eine höhere Auslastung des eigenen Netzes liegt immerhin auch im Interesse der Netzanbieter. Freenet selbst sieht sein Geschäftsmodell jedenfalls schonmal bis mindestens 2040 gesichert.

Die Verlierer
Die bisherigen Netzbetreiber: Getrost als Verlierer der abgeschlossenen Auktion dürfen wohl die etablierten Netzbetreiber gelten. Das betrifft die Deutsche Telekom, die britische Vodafone und auch die spanische Telefonica. Sie kritisieren, dass aufgrund der für die Industrie vorgehaltenen Frequenzen (ein Viertel des vorhandenen Frequenz-Spektrums) zu wenige Bänder für die 5G-Versteigerung zur Verfügung gestanden hätten. Dadurch seien die Gebote derart angestiegen, dass dieses Geld nun für den anstehenden Netzausbau fehlt. Telekom-Sprecher Philip Schindera sagte der ARD bezüglich 5G: „Wir hätten es deutlich früher und deutlich günstiger haben können.“ Zudem mussten die Netzbetreiber bittere Pillen schlucken was die Lizenzauflagen angeht. So müssen sie der Konkurrenz nicht nur den oben angesprochenen diskriminierungsfreien Netzzugang gewähren. Auch die Vorgaben für die Netzabdeckung gelten unter Experten im vorgegebenen Zeitplan als durchaus ambitioniert. Hierbei hatte der Netz-Neuling 1&1 Drillisch zudem erhebliche Erleichterungen bekommen, was den etablierten Netzbetreibern freilich gar nicht schmeckte. Und mit den für die Industrie vorgehaltenen eigenen Frequenzen gehen den Netzanbietern künftig hochgradig lukrative Kunden durch die Lappen. Immerhin: Ein verpflichtendes nationales Roaming konnten die Netzbetreiber erfolgreich verhindert. Das ist für die etablierten Anbieter aber auch so ziemlich der einzige Punkt auf der Habenseite.

Die 1&1 Drillisch AG: Das Vorhaben der United Internet-Tochter unter CEO Ralph Dommermuth war ambitioniert – und ist es immernoch. Zwar ist es nun tatsächlich gelungen, immerhin 7 der gut 41 zur Verfügung stehenden Frequenzbänder zu ersteigern, doch der Preis hierfür war hoch – höher als zuvor angenommen. Dieses Geld könnte dem Unternehmen für den nun ausstehenden Netzaufbau schmerzlich fehlen. Ohnehin scheint die Finanzierung mit zusätzlichen Kreditlinien in Höhe von 2,8 Mrd. Euro stark auf Kante genäht. Die bereits jetzt angefallenen Kosten in Höhe von 1,1 Mrd. Euro für die Frequenzersteigerung lassen somit nur noch 1,7 Mrd. Euro für den Ausbau übrig. Trotz neulich gestrichener Dividende könnte das knapp werden, denn immer weiter steigende Baupreise werden auch vor dem Netzaufbau nicht haltmachen. Denn momentan scheint sich der Fachkräftemangel auf dem Bau eher weiter zu verschärfen als abzuschwächen. Zudem hatte Freenet-CEO Christoph Vilanek die Kosten für einen flächendeckenden Netzaufbau neulich auf 10 Mrd. Euro taxiert. Selbst wenn man annimmt, dass Vilanek die Kosten aus politischen Gründen überdramatisiert hat, so sieht man zumindest, dass es für 1&1 Drillisch eng werden könnte. Die Aktionäre der Gesellschaft scheinen sich jedenfalls durchaus vor den nun anstehenden finanziellen Verpflichtungen des Unternehmens zu fürchten. Der Aktienkurs sauste seit Bekanntwerden der Versteigerungsteilnahme deutlich nach unten. Daran änderte auch die demonstrativ zur Schau gestellte Zufriedenheit der Unternehmensführung nichts.

Die Netzabdeckung: Mobilfunkexperten hatten schon lange die Vergabe der 5G-Frequenzen an den Höchstbietenden kritisiert. So würde viel Geld aus den Unternehmen abfließen, welches letztlich für den Netzausbau fehle, monierten sie nahezu unisono. So sei auch künftig mit zahlreichen Funklöchern und einem Netzausbau im Schneckentempo zu rechnen. Auch wenn die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur ausdrücklich eine Versorgung mindestens auf LTE-Niveau (4G) für 98% der Bevölkerung vorsehen und sich die Netzabdeckung gegenüber heute damit deutlich verbessern dürfte steht bereits eines fest: Ein 5G-Mobilfunknetz an jeder Milchkanne wird es nicht geben. Dafür sind schon allein die vergebenen Frequenzbänder schlicht ungeeignet. Zu gering ist die Reichweite der zwar schnellen und verzögerungsfreien, dafür aber eben auch eher lokalen 5G-Technologie.

Reaktion an der Börse euphorisch
Auch wenn viele Experten und Marktteilnehmer die Netzanbieter, sowie 1&1 Drillisch als Verlierer der Auktion sehen, reagieren die Börsen heute fast schon euphorisch. Die Aktien des Telekomsektors legen teils stark zu und können ihre Schwäche der letzten Wochen etwas ausbügeln. Diese Kurssteigerungen gehen Marktteilnehmern zufolge jedoch nicht etwa auf positive Aussichten zurück, sondern sind offenbar lediglich ein Ausdruck der Erleichterung, dass die 5G-Auktion nun endlich vorbei ist. Die immer weiter steigenden Gebote haben damit endlich ein Ende. Dennoch scheinen die heutigen Kurssteigerungen durchaus übertrieben.

Hier eine Übersicht über die Entwicklung der Aktien des Telekomsektors am heutigen Donnerstag:

Unternehmen Aktienkurs +/- in %
Deutsche Telekom 15,55 € + 0,53 %
Vodafone 1,47 € + 0,41 %
Telefonica-DE 2,59 € + 3,10 %
United Internet 34,06 € + 4,19 %
1&1 Drillisch 29,88 € + 6,87 %
Freenet 17,63 € + 1,21 %

Börsenkurse, Stand: 14:00 Uhr

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