SLM Solutions: Bericht zur Hauptversammlung 2019

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+ Versammlung verlief teils chaotisch
+ Theaterstück um AR-Besetzung
+ Zwei Beschlüsse durchgefallen

Es war ein äußerst hitziger Tag im sonst so kühlen Norddeutschland als sich die Aktionäre der SLM Solutions Group AG am 25.06.2019 in Lübeck trafen. Hitzig wurde es zeitweise auch in den Diskussionen um die als prekär empfundene Lage des Unternehmens. Und so ließen die Aktionäre sogar zwei Beschlussvorschläge der Verwaltung schlicht durchfallen.

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Guter Besuch / Lange Liste ausgeschiedener Personen
Knapp 200 Aktionäre und Besucher waren der Einladung der Gesellschaft in die Lübecker media docks gefolgt. Damit waren trotz des zwischenzeitlichen Abstieges aus dem TecDAX, sowie des unmittelbaren Auslassens des SDAXes nach unten kaum weniger Anteilseigner anwesend als im vergangenen Jahr. Der starke Andrang geht vermutlich auch auf die Tatsache zurück, dass in der Hauptversammlung viel Kritik und spannende Abstimmungen zu erwarten waren. In Erwartung einer schwierigen Hauptversammlung hatte sich das Unternehmen sogar eigens einen Rechtsberater an den Verwaltungstisch geholt, wie der SLM-Aufsichtsrat zugab. Dieser wurde gleich mehrfach beratend tätig, wie es schien.

Die schwere Krise des Unternehmens wurde schon gleich zu Beginn deutlich, als der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Ihde die Namen derer Vorstände und Aufsichtsräte verlas, die das Unternehmen seit der letzten Hauptversammlung verließen, verlassen mussten, neu hinzukamen – oder sogar alles gleichermaßen. Zusammen mit den Namen jener Herren, von denen bereits bekannt ist, dass sie das Unternehmen demnächst verlassen werden, ergab sich eine schier endlose Liste von rund 15 Personen. Angesichts der zahlreichen Namen kam unter den Aktionären kaum noch jemand mit. Dies kam auch später in der Debatte zur Sprache, zumal selbst Personen, die in der HV-Einladung zur (Wieder-)Wahl standen, kurzfristig ihr Ausscheiden erklärten.

Weitere Aufsichtsratsabgänge / Neuer CEO
Bisher noch nicht bekannt waren die kurzfristigen Abgänge der Aufsichtsräte Klaus Grimberg, sowie Volker Hichert. Diese hätten, so Hans-Joachim Ihde, ihr Ausscheiden erst vor wenigen Tagen, bzw. am Vorabend der Hauptversammlung kommuniziert. Daran, dass diese Aussage der Wahrheit entspricht, tauchten später noch erhebliche Zweifel auf. Aber dazu in der Generaldebatte mehr. Höhepunkt der Riege der Gescheiterten und Ausscheidenden war sicher der langjährige SLM-Vorstand und zwischenzeitliche CEO Uwe Bögershausen, welcher seiner letzten SLM-Hauptversammlung beiwohnte.

Als neuer CEO saß nun Meddah Hadjar auf dem Podium. Da Hadjar über (noch) keine ausreichenden Deutsch-Kenntnisse verfügt, hielt er seine Rede auf Englisch. Diese wurde über Kopfhörer simultan ins Deutsche übersetzt. Bei einem Versprecher wurde deutlich, dass es sich tatsächlich um eine vorzügliche Live-Übersetzung und nicht etwa um das ledigliche Vorlesen eines vorbereiteten Transskriptes handelte. So leid es einem auch tut: Nicht immer hatten und haben die Aktionäre den Eindruck, bei SLM Solutions auf so viel Ehrlichkeit zu treffen.

Vorstandsrede durch Uwe Bögershausen
Die eigentliche Vorstandsrede wurde wie gewohnt von Uwe Bögershausen gehalten. Dieser kündigte an, dass der neue CEO Hadjar voraussichtlich im August bekanntgeben werde, „wie er sich die zukünftige Strategie vorstellt.“ Eines nahm Bögershausen jedoch schon vorweg: Der derzeitige Trend zu noch größeren Bauräumen und noch mehr Lasern werde weitergehen.

Bögershausen präsentierte zudem ein durch den Autohersteller Bugatti erstelltes Video zur Leistungsfähigkeit des 3D-Drucks. Bugatti sei nicht der einzige Kunde von SLM Solutions im Automobilsektor. „Sie können davon ausgehen, dass fast jeder Hersteller von Oberklasse-Wagen mindestens eine Maschine von uns besitzt“, so Bögershausen. Weitere Kunden habe man vor allem in den Bereichen Luftverkehr, Gasturbinen oder der Formel 1.

Dass die Geschäfte dennoch nicht so liefen wie gewünscht sei eine paradoxe Situation, so Bögershausen. Man sehe auf der einen Seite ein sehr hohes Interesse an der Technologie und den SLM-Maschinen, habe auf der anderen Seite jedoch einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Es sei nicht gelungen die – nach Meinung des SH-Investors höchst fraglichen – „Geschäftschancen“ in Umsätze zu verwandeln.

Daher habe es eine Änderung auf der Position des Vertriebsvorstandes geben müssen, sprach Bögershausen den Abgang von Dr. Axel Schulz an, welcher „das Unternehmen verließ, bzw. verlassen musste“ (O-Ton Hans-Joachim Ihde). In jedem Fall sei man nun auf einem guten Weg, die Situation zu beheben, schloss Bögershausen seinen Vortrag. Man werde auch weiterhin in mehr Mitarbeiter und mehr Kunden investieren. Zum Abschied dankte Bögershausen allen Beteiligten für seine Zeit im Unternehmen. Er erhielt viel Applaus aus der Aktionärsschaft.

Vorstandsrede durch Meddah Hadjar
Anschließend stellte Dr. Gereon Heinemann wie gewohnt die 3D-Druck-Technologie als solche vor, ehe dann der neue CEO Meddah Hadjar ans Rednerpult trat. Er begrüßte die Aktionäre mit „Guten Morgen!“, den nach eigener Aussage einzigen Worten, die er auf Deutsch könne. Hadjar betonte, dass das Unternehmen über eine gute Grundlage verfüge und er mit der Technologie sehr vertraut sei. Er bat um Entschuldigung, dass er noch nicht viel über die künftige Strategie des Unternehmens sagen könne. Darauf wolle er zum jetzigen Zeitpunkt auch aus Wettbewerbsgründen verzichten. Dies würde dann im Investoren-Call im August nachgeholt werden.

Seit Mai sei er nun in Lübeck, so Hadjar. Seither habe er viele Schwachstellen im Unternehmen identifizieren können. Als Beispiele nannte er den Vertrieb oder die Zuverlässigkeit der Maschinen. „Zudem brauchen wir eine Kultur der Rechenschaftspflichtigkeit im Unternehmen und Vertrauen in die Unternehmensführung“, wurde Hadjar etwas deutlicher. Diese Schwachstellen werde er nun angehen und das Unternehmen kontinuierlich besser machen, kündigte der neue CEO von SLM Solutions an. Für die Zukunft sei er optimistisch, zumal er früher selbst Kunde von SLM Solutions gewesen sei.

Die SLM-Technologie sei jener der Konkurrenz um Jahre voraus. Man müsse daher Marktanteile zurückgewinnen und die eigenen Produkte von denen der Wettbewerber abheben. Zudem, so Hadjar, wolle er mehr in den Kundenkontakt investieren. Man müsse das Unternehmen aus Sicht seiner Kunden führen, damit die Kunden profitabel, zuverlässig, schnell und kostengünstig produzieren können. Darauf wolle er seinen Fokus richten, schloss Hadjar seine durchaus charismatische Rede für die er ordentlich Applaus bekam.

Die neuen Aufsichtsräte stellen sich vor
Anschließend stellten sich noch jene zur Wahl stehenden Aufsichtsräte vor, die sich noch nicht auf früheren Hauptversammlungen bekanntgemacht haben. Dies war zum einen Dr. Michael Mertin, welcher schon früh mit der Technologie in Berührung gekommen sei. So habe er damals mit an jenem Projekt geforscht, aus dem später die SLM-Technologie hervorging. Er stünde daher gerne für den künftigen Vorsitz im Kontrollgremium zur Verfügung, so Mertin. Für den Vorsitz? Diese Passage wurde ebenfalls noch Teil der Generaldebatte.

Auf Dr. Mertin folgte Thomas Schweppe, dessen Karriere vor allem durch die Tätigkeiten für Goldman Sachs geprägt ist, sowie dem Schweden Magnus René. René spricht ebenfalls kein deutsch und hielt seine Rede daher auf Englisch. Zum ersten Mal sei er bereits 2005 mit SLM Solutions in Kontakt gekommen und kenne seither auch Hans-Joachim Ihde persönlich.

Zur Anmoderation der allgemeinen Aussprache ergriff erneut Hans-Joachim Ihde das Wort und sprach ein Thema an, welches ebenfalls noch für Diskussionen sorgen sollte: Wegen der kurzfristig ausscheidenden Aufsichtsräte Hichert und Grimberg bat er die Aktionärsredner ihrerseits spontane Vorschläge für die Besetzung des Aufsichtsrates zu machen. So sollte es auch kommen – wenn auch vielleicht nicht ganz so spontan wie gedacht.

1. Aktionärsrede: Josef Gemmeke, SdK
Als erster Redner trat der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Josef Gemmeke, ans Rednerpult. Er sprach von „heftigen Turbulenzen“, die das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erlebt habe. Diese würden seiner Meinung nach immernoch von der gescheiterten GE-Übernahme herrühren. General Electric habe zwar nicht SLM bekommen, dafür habe SLM nun aber Meddah Hadjar von GE bekommen, so Gemmeke. Er wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob ein Antrittsgeld an Hadjar gezahlt worden sei. Dies wurde vom AR-Vorsitzenden Ihde bestätigt. Hadjar habe 150.000 Euro erhalten.

Die Investmentgesellschaft Elliott, welche sich seither vom Abstauber zum Ankeraktionär entwickelt habe, forderte Gemmeke auf, ihre Pläne für die Zukunft des Unternehmens offenzulegen. Dies unterblieb auf der Hauptversammlung jedoch. Dafür gab es auf eine andere Frage eine Antwort. Mit Blick auf die unbesetzten Positionen des Vertriebs- und des Finanzvorstandes (künftiges Ausscheiden von Bögershausen) wollte Gemmeke wissen, ob eine Verkleinerung des Vorstandes geplant sei. Dies wurde von Hans-Joachim Ihde jedoch verneint. Demnach ist geplant, die Stellen neu zu besetzen. Dazu, wann dies geschehen soll, äußerte sich Ihde jedoch nicht.

Abschließend kündigte Josef Gemmeke an, den Vorstand nicht entlasten zu wollen. Auch dem TOP 7 (Vorratsbeschluss Kapitalerhöhung) wolle er keine Zustimmung geben. Es folgen sinngemäß weitere Fragen von Herrn Gemmeke mitsamt sinngemäßer Antworten und der beantwortenden Person im Klammern:

Was plant Uwe Bögershausen mit seinem Aktienpaket?
Herr Bögershausen glaube weiter fest an die Zukunft des Unternehmens und plane daher aktuell keinen Verkauf seiner Anteile. Er betonte aber auch, dass er künftig Privatmann sei, sprich: dass er nicht mehr meldepflichtig ist. (Bögershausen)
Der Großauftrag aus China: Volumen i.H.v. 37 Mio. Euro? Aktueller Stand?
Der Großauftrag belaufe sich auf 20 Maschinen vom Typ SLM-800. Das Volumen liege in der Tat bei 37 Mio. Euro. In China würden Verträge wie eine Partnerschaft gesehen, in der man sich umeinander kümmern müsse. Das sei von Seiten SLM zuletzt nicht ausreichend geschehen und wurde nun verbessert. Der Vertrag habe daher wieder Fahrt aufgenommen. Noch in 2019 werden die nächsten Maschinen abgerufen. (Bögershausen)
Worum handelt es sich beim sogenannten „Projekt Laser“, von welchem im Aufsichtsratsbericht die Rede ist?
„Projekt Laser“ sei der interne Name für die durchgeführte Kapitalerhöhung gewesen. Man nutze solche Geheimnamen, um freier darüber kommunizieren zu können. (Bögershausen)
Warum weist das Unternehmen ein „bereinigtes Ebitda“ aus? Warum werden die gezahlten Zölle als Einmalaufwendungen behandelt?
In den USA hat sich die Zolltarifnummer für SLM geändert. Man sei mit der Entscheidung nicht einverstanden und wolle dagegen angehen. Deshalb habe man die Kosten als Einmalaufwendungen verbucht. (Bögershausen)
Warum hat man die neue Unternehmenszentrale nicht mit einem Partner für Gewerbeimmobilien bauen lassen?
Man habe eine entsprechende Zusammenarbeit geprüft, doch wegen der großen F&E-Abteilung mit über 70% Bürofläche wäre der Komplex nur schwerlich anderweitig zu vermieten gewesen. Deshalb war es nicht leicht ein Gewerbeimmobilien-Unternehmen zu finden, sodass man sich letztlich für einen Bau in Eigenregie entschieden habe. Zudem habe man für den Bau einen Zuschuss von 15% vom Land Schleswig-Holstein bekommen. (Bögershausen)
Warum ist die Wandelanleihe auf 100.000 Euro gestückelt? Was hätte ein Wertpapierprospekt für eine 1.000er-Stückelung gekostet?
Ein Wertpapierprospekt hätte einen niedrigen bis mittleren sechsstelligen Betrag gekostet. Vor allem hätte ein Prospekt aber viel Zeit gekostet, weshalb man die Wandelanleihe ohne Prospekt zu 100.000 Euro pro Stück ausgegeben habe. (Bögershausen)

2. Aktionärsrede: Dr. André Sosat, DSW
Als zweiter Redner trat mit Dr. André Sosat der Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz ans das Mikrofon. Sosat kritisierte den Verlauf des Geschäftsjahres 2018 heftig. Er betrachte die Situation des Unternehmens mittlerweile mit Sorge, aber auch mit Hoffnung. Den Vorstand werde er nicht entlasten, kündigte Sosat an. Auch der geplanten Kapitalerhöhung (TOP 7) und der Wandelanleihe (TOP 8) werde er nicht zustimmen. Nach Ansicht von Sosat laufe dies darauf hinaus, dass die Kleinaktionäre immer weniger Rechte hätten. Die wichtigsten Fragen von Dr. Sosat:

Was waren die Treiber für den Umsatzrückgang in 2018?
Einer der Haupttreiber der Entwicklung sei die Verzögerung beim Großauftrag gewesen. Zudem hätten Kunden gegen Jahresende auf Zugeständnisse von Seiten SLMs spekuliert, denen man aus taktischen Gründen jedoch nicht entsprechen konnte. Außerdem habe man ein Umsetzungsproblem gehabt. Kunden wären in Sorge um die Aktionärsstruktur gewesen. Doch mit der gezeichneten Kapitalerhöhung hätten sich die Großaktionäre nun langfristig zum Unternehmen bekannt. (Bögershausen)
Beinhalten die bestehenden Rahmenverträge eine Abnahmeverpflichtung? Falls nein, auf welcher Grundlage hat man dann den Umsatz für 2018 auf 125 Mio. Euro prognostiziert?
Die Rahmenverträge sähen durchaus Abnahmeverpflichtungen vor. Wenn sich der Maschinen-Abruf dennoch verzögere, so sei dies immer ein einvernehmliches Ergebnis von Verhandlungen mit SLM Solutions. Die Umsatzprognose würde vor allem durch Gespräche mit Kunden, Branchenuntersuchungen, aber auch durch Schätzungen erstellt. (Bögershausen)
Bei nicht abgerufenen Maschinen: Sehen die Rahmenverträge Vertragsstrafen vor?
Im Falle von nicht abgerufenen Maschinen seien auch Strafzahlungen vorgesehen. Diese habe man mit Blick auf die Großkunden jedoch nicht durchgesetzt, weil man ansonsten vor allem den chinesischen Markt komplett aufgeben würde. (Bögershausen)
Wer war Schuld an der Beschädigung der SLM-800-Maschine im vergangenen Jahr?
SLM Solutions traf bei der defekten Maschine keine Schuld. Schuld sei der Kunde gewesen. (Bögershausen)
Warum kaufen so viele Kunden offenbar bei der Konkurrenz? Hat SLM seine Technologieführerschaft verloren?
General Electric habe zwar ConceptLaser übernommen. Deren Maschinen seien im Gegensatz zu den SLM-Produkten jedoch reine Single-Laser-Geräte und eigenen sich daher nicht zur Massenproduktion. Eine Kunden-Abwanderung habe man nicht feststellen können. Die Kunden bescheinigen SLM zudem nach wie vor die Technologieführerschaft. (Bögershausen)
Was waren die Gründe für den Abgang von Dr. Axel Schulz? Bekam er eine Abfindung? Wie hoch war diese?
Dr. Axel Schulz habe einen Vertrag mit einer Restlaufzeit von rund eineinhalb Jahren gehabt. Unterhalb seiner regulären Ansprüche habe man sich auf eine Abfindung in Höhe von 584.000 Euro geeinigt. Weitere Ansprüche bestünden nicht. (Ihde)
Was sind die Gründe für die weiteren Abgänge im Aufsichtsrat? Gab es hierzu Forderungen der Großaktionäre? Stellen diese weitere Forderungen?
Zu den Gründen könne man nichts sagen. Forderungen von Großaktionären habe es nicht gegeben. Ohnehin würden die Aufsichtsräte durch die Hauptversammlung und nicht durch die Großaktionäre gewählt. (Ihde)
Nach Ansicht von Herrn Dr. Sosat ist das Umsatzziel für 2019 immernoch ambitioniert. Ist es realistisch?
Die Unternehmensstrategie werde derzeit überprüft. Auch zur Prognose werde man erst im August ein Update geben. (Hadjar)

3. Aktionärsrede: Fabian R., ENA Investment
Hinweis: Personen, bei denen nicht klar ist, ob sie einer vollständigen Namensnennung zustimmen oder auch sonst nicht Personen des öffentlichen Lebens sind, können aus Datenschutzgründen leider nur anonymisiert genannt werden. Wer mit vollem Namen genannt werden möchte, darf sich gerne beim SH-Investor melden.

Als dritter Redner trat Fabian R. ans Rednerpult. Er vertrat den Großaktionär ENA Investment Capital und somit 15% des Grundkapitals. Zur Neubesetzung des Aufsichtsrates schlug er Roland Busch vor. Dieser war zufällig(?) anwesend und stelle sich anschließend vor. Er habe in seiner Karriere schon vieles gemacht, vor allem war er Vorstand bei der Lufthansa.

4. Aktionärsrede: Ferdinand von R., Cornwall
Schließlich redete mit Rechtsanwalt Ferdinand von R. ein Vertreter von Cornwall und somit offenbar der Vertreter von knapp 30% des Grundkapitals. Von R. kündigte an, der geplanten Verkleinerung des Aufsichtsrates nicht zuzustimmen. Man wolle, dass der SLM-Aufsichtsrat auch weiterhin aus 6 Personen bestehe. Zur Neuwahl des Aufsichtsrats schlug er Kevin Czinger aus Santa Monica, Kalifornien/USA vor. Dieser war ebenfalls auf der Hauptversammlung zugegen. Welch’ ein glücklicher Zufall(?)!

In jedem Fall stellte Czinger sich anschließend ebenfalls vor – auf deutsch – und beteuerte, er hätte trotz seiner zahlreichen Ämter in den USA genügend Zeit für einen SLM-Aufsichtsratsposten. Aufgrund seiner deutschen Frau sei er ohnehin häufig in Deutschland. Sollte er in den „Vorstand“ gewählt werden, würde er diese Aufgabe sehr ernst nehmen. Der Versprecher mit dem „Vorstand“ wurde schließlich von Hans-Joachim Ihde korrigiert und sorgte für einige Erheiterung im Publikum.

5. Aktionärsrede: Herr Thomas K.
Als vorerst letzter Redner trat dann Herr K. ans Mikrofon, um seine Rede zu halten. Herr K. gab an Kleinaktionär zu sein. Er sei beunruhigt angesichts der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Hierzu hatte er ein paar Fragen, die wie gehabt im Folgenden dargestellt werden:

Seit wann ist dem Unternehmen bekannt, dass mit Hewlett-Packard (HP) ein weiterer Konkurrent 3D-Drucker produziert? Ist deren Technologie überlegen/gleichwertig?
HP nutze ein anderes Verfahren als SLM Solutions. Dort würden die Metall-Partikel erst verklebt und dann gebacken. Während die erste Stufe recht schnell ginge, dauere die zweite Stufe recht lange. Das Verfahren sei zwar günstiger, aber eher ungenau und eigne sich daher nach Ansicht von SLM Solutions nicht für die Serienfertigung. (Bögershausen)
Zum Markteintritt von HP gab es keine Veröffentlichung von Seiten SLM. Warum nicht? Wie verträgt sich das mit den Transparenzrichtlinien des Unternehmens?
Eine Verpflichtung zur Erstellung einer Ad-hoc-Mitteilung habe nicht bestanden. (Bögershausen)

6. Aktionärsrede: Frank H.
Kurz bevor Hans-Joachim Ihde die Generaldebatte schließen wollte, meldete sich mit Herrn H. dann doch noch ein neuer Redner. Er deutete an, dass er sich nicht vorstellen könne, dass der alte Vertriebsvorstand – gemeint war Dr. Axel Schulz – so schlecht war. Er wollte daher den wahren Grund für den Abgang von Herrn Dr. Schulz wissen. Man habe im Unternehmen eine Vertriebsschwäche identifiziert und darauf reagiert, antwortete Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Ihde fast schon stenographisch. Sein Lob richtete Herr H. ausdrücklich an den neuen CEO Meddah Hadjar für seinen Kurs, sich mehr auf die Sicht des Kunden zu fokussieren. Dies könne er nur unterstützen. Weitere Fragen und Antworten von Herrn H. im Folgenden:

Neben einigen anderen detaillierten Fragen zu den Finanzen wollte Herr H. zudem in Erfahrung bringen, weshalb SLM Solutions so wenige Maschinen verkauft. „Sind die Preise zu hoch? Sind unsere Kosten zu hoch?“
Man werde auch weiterhin Gespräche mit den Zulieferern führen, um die Einkaufspreise niedrig zu halten. (Ihde)
Welche Maschinen-Typen wurden im Q1 2019 in welcher Anzahl verkauft und wie ist die Planung für das Gesamtjahr?
Verkaufte Maschinen im Q1 2019 und Planung für das Gesamtjahr:
SLM-125: 2x (21x)
SLM-280: 5x (290x)
SLM-500: 0x (30x)
SLM-800: 0x (9x) (Bögershausen)
Es bewerben sich lauter Männer für den neuen Aufsichtsrat. Wie sieht es im Unternehmen eigentlich mit einer Frauenquote aus?
Das Ziel für eine Frauenquote im Unternehmen betrage 0%. Stattdessen wolle man die Posten weiterhin nach Qualifikation besetzen. (Ihde) [Dies bedeutet natürlich nicht, dass man keine Frauen im Aufsichtsrat möchte, sondern lediglich, dass man dies nicht verbindlich festschreiben mag. /Anmerkung vom SH-Investor]

Für seine Ausführungen bekam Herr H. nach Einschätzung des SH-Investors den meisten Applaus von allen Rednern. Nach einer Pause ging es dann an die Beantwortung der Fragen, die sie oben bereits lesen können. Die Beantwortung erfolgte in gefühlter Rekordzeit durch striktes Ablesen der von den Assistenten bereits vorgefertigten Antworten. Der SH-Investor war angesichts der bereits fortgeschrittenen Zeit darüber aber auch gar nicht mal allzu böse. Nach der Beantwortung der Fragen meldete sich dann noch ein weiterer Aktionär mit einer Rede zu Wort.

7. Aktionärsrede: Herr S.
Als letzter Redner des Tages sprach noch Herr S. zu den Aktionären. Mit pointierten Ausführungen und folgerichtigen Schlüssen brachte er nochmal ordentlich Spannung in die Hauptversammlung, obwohl sich die meisten Gäste unlängst am Buffet aufhielten. So habe Herr S. vernommen, dass Meddah Hadjar davon sprach, er habe die Zuverlässigkeit der Geräte als Schwäche identifiziert. Er wollte daher wissen, ob dies heiße, dass die vielgepriesenen SLM-Maschinen offenbar doch nicht so zuverlässig seien. Uwe Bögershausen gab zu, dass die Technologie noch recht neu sei und man daher ständig weiterentwickele. Da komme es ab und an noch zu Kinderkrankheiten. Diese würden aber konsequent abgearbeitet, so der scheidende CFO und Ex-CEO.

Auch auf die genannten Zahlen sprang Herr S. an. Wenn er sich nun ansehe, wie wenige Geräte SLM Solutions im ersten Quartal verkauft habe und wie die Planung für das Gesamtjahr laute, dann sei die nächste Kapitalerhöhung nach seiner Ansicht schon vorprogrammiert. Auch der Prognose bescheinigte er keine lange Lebensdauer mehr. „Die wird dann vermutlich im August einkassiert“, führte er aus.

Ebenso bei den genannten Zeitpunkten der Rücktritte im Aufsichtsrat blieb Herr S. skeptisch. Diese hätten zwar angeblich sehr kurzfristig stattgefunden, aber es habe offenbar dennoch genügend Zeit gegeben mehrere Personen aus Amerika einzufliegen, damit diese auf der Hauptversammlung kandidieren können, so Herr S. Auch der SH-Investor hat erhebliche Zweifel an der Version, dass die Wahlvorschläge auf der Hauptversammlung so ganz spontan waren. Dafür waren dann doch sehr viele qualifizierte Leute „zufällig“ anwesend und diese waren zudem erstaunlich gut auf ihre Vorstellungsreden vorbereitet. Kevin Czinger wurde von Uwe Bögershausen einmal gar mit „Kevin“ angesprochen. Hier sind die Großaktionäre offenbar früher informiert worden als der Rest der Anteilseigner, so der Eindruck des SH-Investors.

Zudem war Herr S. über die Aussage von Dr. Mertin zum Aufsichtsratsvorsitz gestolpert. Er wollte daher wissen, ob Noch-Vorsitzender Hans-Joachim Ihde denn wohlmöglich aufhöre. Überhaupt habe Herr S. – wie auch fast alle anderen – den Überblick über die zahlreichen Rücktritte und Wahlvorschläge verloren, sodass er gar nicht mehr wisse, über wen nun abgestimmt werde und wie der Aufsichtsrat künftig aussehen wird. Hans-Joachim Ihde antwortete, dass er sein Mandat annehmen wird, falls er gewählt werde. Man könne sich angesichts seines Alters jedoch wohl auch vorstellen, dass er unter Umständen zumindest nicht mehr den Vorsitz ausüben wolle, wurde Ihde für seine Verhältnisse fast schon außergewöhnlich deutlich.

Selbst den Vertrieb wusste Herr S. kritisch zu durchleuchten. Er wollte wissen, wie viele Mitarbeiter im Vertrieb tätig seien und wie viele Geräte pro Mitarbeiter letztlich verkauft würden. Ex-CEO Uwe Bögershausen antwortete, es seien momentan 90 Mitarbeiter im Vertrieb tätig. Dies bedeutet demnach, dass im ersten Quartal auf zehn Vertriebsmitarbeiter eine verkaufte Maschine kam, wie richtig bemerkt wurde. Weitere Fragen von Herrn S. und Antworten in der Kurzform:

Weshalb ist die nach China gelieferte SLM-800-Maschine kaputtgegangen?
Offenbar ist jemand im Werk des Kunden mit einem Fahrzeug in die Maschine gefahren. Dabei sei die SLM-800 irreparabel beschädigt worden. (Bögershausen) Dies sorgte für einiges Schmunzeln im Publikum.
Bei einem Verkauf der Gesellschaft an chinesische Eigner: Wäre eine Pflicht zur Genehmigung der Veräußerung durch die USA denkbar?
Dies sei durchaus denkbar. Denkbar sei aber auch eine Genehmigungspflicht durch deutsche Behörden. (Bögershausen)
Wie viel Umsatz macht die Gesellschaft mit den SLM-500 und den SLM-800-Geräten?
Je nach Spezifikation koste eine SLM-500 rund 1,1 Mio. Euro, eine SLM-800 rund 2,8 Mio. Euro. (Bögershausen)

Die Abstimmungsergebnisse
Anschließend ging es an die Abstimmung, welche wie bereits im letzten Jahr mit elektronischen Erfassungsgeräten erfolgte. Das ganze Procedere, insbesondere die „computergestützte Auszählung“, dauerte derart lange, dass man künftig besser wieder per Hand auszählt. So zumindest die Meinung des SH-Investors. Insgesamt waren 76,27% des Grundkapitals auf der Hauptversammlung vertreten. Die Abstimmungsergebnisse im Einzelnen.

TOP 1 – Vorlage des Jahresabschlusses 2018
Hierüber fand keine Abstimmung statt, da der Jahresabschluss bereits vom Aufsichtsrat festgestellt wurde.

TOP 2 – Entlastung des Vorstands
Trotz zahlreicher anderslautender Ankündigungen wurde der Vorstand für 2018 mit überraschend großer Mehrheit entlastet.
97,00% Ja-Stimmen (Vorjahr: 99,38%)

TOP 3 – Entlastung des Aufsichtsrates
Weiterhin genießt der Aufsichtsrat ein deutlich geringeres Vertrauen bei den Anlegern als der Vorstand. Dennoch hat es gegenüber dem Vorjahr eine erhebliche Steigerung gegeben.
92,73% (Vorjahr: 81,42%)

TOP 4 – Verkleinerung des Aufsichtsrates von 6 auf 5 Mitglieder
Nachdem der Vertreter vom Großaktionär Elliott, Herr von R., sein Nein zu diesem Beschluss angekündigt hatte, war bereits klar, dass es der Beschluss schwer haben würde.
25,17% –> abgelehnt!
Die Folgen der Ablehnung: Der Aufsichtsrat besteht auch künftig aus 6 Mitgliedern.

TOP 5 – Wahlen zum Aufsichtsrat
Da die Verkleinerung des Aufsichtsrates abgelehnt wurde, wurden alle 6 Kandidaten in den neuen Aufsichtsrat gewählt.
1. Roland Busch: 99,81%
2. Hans-Joachim Ihde: 78,92%
3. Dr. Michael Mertin: 79,88%
4. Magnus René: 77,27%
5. Thomas Schweppe: 94,95%
6. Kevin Czinger: 99,81%

TOP 6 – Wahl des Abschlussprüfers
Gewählt wurde die KPMG AG aus Hamburg.
99,99%

TOP 7 – Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals 2019
Erforderlich war eine Mehrheit von 75% des Grundkapitals. Der Beschluss kam knapp durch.
79,55%

TOP 8 – Ermächtigung zur Ausgabe einer neuen Wandelschuldverschreibung
Auch hier war eine 75%-Mehrheit erforderlich. Diese wurde jedoch klar verfehlt.
61,04% –> abgelehnt!
Die Folgen der Ablehnung: Da es aufgrund der fehlenden Mehrheit auch nicht zur Aufhebung der Ermächtigung zur Ausgabe einer Wandelanleihe aus dem Vorjahr kam, bleibt es bei dem Beschluss aus 2018. Vorstand und Aufsichtsrat können daher die noch nicht ausgeschöpfte Ermächtigung in Höhe von bis zu 250 Mio. Euro weiterhin nutzen. Da die Anfang des Jahres durchgeführte Kapitalerhöhung jedoch auf die Schwelle von 10% vereinfachtem Bezugsrechtsausschluss anzurechnen ist, kann eine mögliche neue Wandelanleihe praktisch nur noch unter Bezugsrecht für die Aktionäre ausgegeben werden. Dies erscheint weitgehend unwahrscheinlich.

Fazit
Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Unternehmen vor riesigen Herausforderungen steht. Dennoch scheint unter vielen Aktionären die Meinung zu herrschen, dass – wenn es überhaupt ein Vorstand schaffen kann – es nur es nur dem neuen Vorstand unter Meddah Hadjar gelingen kann.

4 Kommentare

    1. Vielen Dank für Ihr Lob! Das freut mich natürlich sehr! Was die Ausführlichkeit betrifft, so teile ich Ihre Einschätzung voll und ganz. Ich werde mal schauen, dass ich den Beitrag vertont bekomme. Dann müssen sich zumindest die Audio-Liebhaber nicht mehr durch die zahlreichen Absätze kämpfen.
      Freundliche Grüße aus Norddeutschland!

  1. Ich stimme ihrer Einschätzung nicht zu, warum sollte es an einer einzigen Person hängen. Diese sind mir in produzierendem Gewerbe eigentlich egal. Gute Produkte kann jeder verkaufen und werden am Markt auch akzeptiert.
    Diese Aktionäre sollten sich bevor sie solche Äusserungen machen, den Kurs von GE mal anschauen, auch hieran trifft ihn eine Mitschuld, so dolle lief das da alles nicht. Das ist eher die letzte Hoffnung… Warum der Kurs nach der HV überhaupt stieg, ist mir auch ein Rätzel.

    Gerstern kam überraschend früh aber nicht überraschend, die lang bekannte Nachrricht, dass die Ziele zusammengestrichen werden. Keine neue Prognose, keine Halbjahreszahlen…nix

    „Die SLM Solutions Group AG aus Lübeck ist ein führender Anbieter metallbasierter additiver Fertigungstechnologie“
    Naja, „ein“ nicht der, kein Alleinstellungsmerkmal, nix… Am Ende auch NIX ????

    1. Einen schönen guten Tag Herr S.,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich kann Ihre Kritik durchaus nachvollziehen. Die unter dem Punkt „Fazit“ genannte Einschätzung stammt nicht von mir selbst, sondern ich habe diese Stimmung lediglich im Gespräch mit anderen Aktionären so aufgesogen. Das heißt aber natürlich noch lange nicht, dass zwangsläufig alle Aktionäre so denken. Ich persönlich bin da – wie Sie – auch etwas kritischer. Vor allen Dingen sehe ich momentan zwei Punkte durchaus skeptisch:

      1. Wenn der Firmenchef nicht die Sprache der Angestellten spricht, verstärkt dies meiner Meinung nach immer auch ein wenig die Gefahr, dass unter der Belegschaft eine „Die da oben!“-Stimmung aufkommt.
      2. Als Zweites gefällt mir das gezahlte Antrittsgeld an Hadjar nicht. Wenn ich langfristig eine neue Stelle antreten möchte, wozu brauche ich dann ein Antrittsgeld?!
      Ich hoffe jedenfalls für das Unternehmen, dass Meddah Hadjar seinen Job noch lange auszuführen gedenkt und ich möchte ihm anraten, immerhin ein wenig Deutsch zu lernen, um bei der Belegschaft Sympathien zu sammeln. Aber das alles ist natürlich meine ganz persönliche Einschätzung.

      P.S.: Ich habe gesehen, dass Sie zuvor bereits einen anderen Kommentar geschrieben hatten. Da dessen Inhalt im oben sichtbaren Kommentar komplett enthalten zu sein scheint, habe ich vorerst nur diesen sichtbar geschaltet. Ich hoffe, dies ist so in Ihrem Sinne. Wünschen Sie die Sichtbar-Machung auch des anderen Kommentars, so bitte ich um kurze Mitteilung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Matthias Nissen

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