Drägerwerk: Bericht zur Hauptversammlung 2019

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+ Rund 250 Aktionäre in der „MuK“
+ Viel Kritik an der Unternehmensführung
+ Genussscheine sorgen für zahlreiche Fragen

Der SH-Investor hatte sich im Vorlauf zur diesjährigen Hauptversammlung beim Drägerwerk durchaus kritisch geäußert. An der Stelle habe ich daher offenbar Abbitte zu leisten, denn die Beteiligung in diesem Jahr war entgegen meiner Erwartung offenbar größer als im vergangenen Jahr.

Höhere Besucherzahlen als im Vorjahr
So fanden sich rund 250 Aktionärinnen und Aktionäre – und damit rund 50 mehr als im Vorjahr – in der Lübecker Musik- und Kongresshalle ein. Somit erschien es in diesem Jahr sogar wieder sinnvoll, dass das Drägerwerk den großen Parkplatz direkt gegenüber der Muk eigens für diesen Tag angemietet hatte.

Auch die Verpflegung der Aktionäre machte mit diversen Kreationen aus der Konditorei und ausreichend vorhandenen Getränken gegenüber dem Vorjahr einen guten Sprung nach vorne. Fast tut es mir leid, die Dräger-Hauptversammlung einmal „Favorit auf Schleswig-Holsteins schlechteste Hauptversammlung 2019“ genannt zu haben. Diese Anwartschaft darf mit der jetzigen Hauptversammlung wohl getrost gestrichen werden. Nun aber zur eigentlichen Hauptversammlung!

Erste Versammlungsleitung durch Stefan Lauer
Zu Beginn begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Lauer nicht nur die anwesenden Aktionäre, sondern zudem auch seinen Vorgänger Professor Nikolaus Schweickart, welcher ebenfalls den langen Weg nach Lübeck fand. Für Lauer war es die erste Hauptversammlung überhaupt, die durch ihn geleitet wurde. Er bat die Anwesenden daher um Nachsicht für mögliche Fehler, blieb jedoch die ganze Zeit souverän.

Lauer gab zu, dass man „gestern den ganzen Tag über geprobt“ habe. Dies ging auch auf ein neues System zur Fragenbeantwortung zurück. Dabei werden die Fragen elektronisch aufgenommen und hinter der Bühne von Dräger-Mitarbeitern bearbeitet. Deren vorformulierte Antworten werden dem Vorstand und dem Aufsichtsrat dann per Display eingeblendet. So sollte keine Frage mehr vergessen werden. Auch das Herumreichen von Zetteln auf der Bühne entfiel in diesem Jahr. Jedoch lief es mitunter auch darauf hinaus, dass einige Antworten lediglich abgelesen wurden. Einzig Stefan Lauer und Gert-Hartwig Lescow – selbstverständlich mit Ausnahme einiger Zahlen – trugen ihre Antworten nahezu völlig frei vor und schienen das neue System gar nicht zu beachten.

Vergütungssystem, sowie High- und Lowlights
Die üblichen Formalitäten, sowie die erneute Präsentiererei jener Zahlen, die ohnehin im Geschäftsbericht stehen, erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Stattdessen einige Punkte, die aus meiner Sicht mehr oder weniger besonders interessant sind.

Das Verhältnis von Jahres- zu Mehrjahresbonus bei der Vorstandsvergütung nach dem neuem System beträgt laut Stefan Lauer wie zuvor im alten System 50% zu 50%. Dies gab der Corporate Governance-Bericht bisher nicht preis und war daher in meinem Vorbericht zur Hauptversammlung noch fraglich geblieben.

Drägerwerk-CEO Stefan Dräger ging in seiner Rede unter anderem auf die Höhe- und Tiefpunkte des abgelaufenen Geschäftsjahres ein. Während er dem Unternehmen auf der Habenseite ein „ordentliches, breit angelegtes Wachstum über alle Regionen“ bescheinigte, bedauerte er auf der Sollseite, dass das Ergebnis stärker zurückgegangen sei als erwartet.

Dies habe vor allem an den Währungseffekten gelegen. „Bei den Wechselkursen können wir nichts machen. Wo wir jedoch was machen können und auch machen müssen sind die Punkte Qualität und Logistik“, so Dräger. Während die Qualität der Produkte beim Drägerwerk der Markenkern sei, sei es gleichzeitig in der Logistik aber auch ein Versprechen an die Kunden, dass die Produkte rechtzeitig ankommen.

Investitionsplan für 2019
Um die beiden Problemfelder künftig dennoch in den Griff zu bekommen, hat man beim Drägerwerk daher einen Investitionsplan für 2019 geschaffen. Dieser umfasst folgende Punkte:
– Roadmap für das weitere Produkt-Portfolio der Medizintechnik
– Maßnahmen zur Reduzierung der „TimeToMarket“
– Verbesserung der Qualitätsmanagement-Prozesse
– Neue Logistik-Strukturen: Die Logistikkette soll stärker dezentralisiert werden, um von einzelnen Standorten und Transportunternehmen unabhängiger zu werden.
– „GoToMarket“-Strategie: Hierzu wollte sich Stefan Dräger aus Wettbewerbsgründen jedoch nicht näher äußern.
– Schaffung von Business-Units mit jeweils vollen Produkt- und Geschäftsverantwortungen. Stefan Dräger: „Wenn es ein Problem gibt, soll immer genau eine Person dafür verantwortlich sein. Diese Person soll solange schlecht schlafen, bis eine Lösung für das Problem gefunden wurde.“
– Neue Vorstandszuständigkeiten für die Bereiche Medizintechnik, Sicherheitstechnik, Vertrieb, Service, Personal und Finanzen.

Neue Führungsstruktur im Vorstand
Der neue Dräger-Vorstand soll demnach künftig wie folgt aussehen:
Stefan Dräger: Vorstandsvorsitz
Gert-Hartwig Lescow: Finanzen
Anton „Toni“ Schrofner: Medizintechnik
Reiner Klug: Sicherheitstechnik
Dr. Reiner Piske: Service&Vertrieb, Personal

„Mit dem neuen Modell handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als um die größte Änderung der Organisationsstruktur beim Drägerwerk seit der „OneDräger“-Strategie 2007“, so Stefan Dräger. „Seither haben wir viel über den Nutzen von Diversität und Vielfalt gelernt. Dennoch geben wir den Nutzen aus OneDräger nicht auf.“ Und weiter: „Die neue Strategie ist kein Kosten- oder Personalabbau-Programm. Stattdessen soll der Fokus klar auf dem Kunden liegen. Auch wenn die Änderungen erst für das Geschäftsjahr 2020 in Kraft treten, erfolgen die wichtigen Weichenstellungen bereits in 2019.“, ergänzte CEO Stefan Dräger.

Die Änderungen gelten am dem 01.01.2020. Dementsprechend wird die Finanzberichterstattung auch erst ab dem kommenden Geschäftsjahr entlang der neuen Segmente verlaufen. Die bisherige Zuständigkeit nach Regionen wird demnach abgeschafft.

Bericht aus den Dräger-Regionen
Reiner Klug erläuterte in seiner Rede zum Geschäftsverlauf in der Region Amerika, dass unter anderem eine verweigerte Produktzulassung zu erheblichen Belastungen geführt habe. Die daraus resultierenden Kosten und Mindereinnahmen habe man im vergangenen Jahr nicht mehr aufholen können, sodass man seine eigenen Ziele in Amerika verfehlt habe.

Dr. Reiner Piske erläuterte in seiner Zuständigkeit für Europa, dass der Standort Lübeck auch künftig das Herz von Dräger bleiben werde. Insgesamt arbeiteten rund 5.100 Mitarbeiter an der Trave. Im letzten Jahr habe man das Personal sogar weiter aufgestockt, vor allem in den Bereichen Forschung & Entwicklung, Vertrieb, sowie Service.

Neueste Innovationen und Währungsbelastungen
Innovationsvorstand Anton Schrofner erläuterte unter anderem, dass man in 2018 genau 217 neue Patente erhalten und 74 Neu-Anträge gestellt habe. Um die Innovationskraft von Dräger zu unterstreichen, stellte Schrofner anschließend noch das Gas-Messgerät X-pid vor, mit welchem sich krebserregende Gase in der Raumluft messen lassen. Zum anderen stellte Schrofner das neue Anästhesie-Gerät Atlan vor, welches ab dem zweiten Halbjahr 2019 verfügbar sein soll.

Anschließend erläuterte Finanzvorstand Gert-Hartwig Lescow die Auswirkungen der Wechselkursschwankungen. So habe der schwache US-Dollar zwar positiv gewirkt, dafür hätten die Rückgänge der Schwellenländer-Währungen zu noch höheren Belastungen geführt. Insgesamt hätten die Währungen die Ebit-Marge um rund 1% gesenkt.

Vergleich IAS-17 zu IFRS-16 und Kommentar
Dann erläuterte Lescow noch die Auswirkungen der Umstellungen von den Bilanzierungsrichtlinien IAS-17 auf IRFS-16. Demnach sind Mietverträge künftig als Fremdkapital in der Bilanz zu passivieren und dann über die Laufzeit abgezinst abzuschreiben. Der Gesamtaufwand aus Mietverträgen verändert sich dadurch nicht. Jedoch hätten sich einige Kennzahlen durch die Neuerungen verändert, unter anderem die Eigenkapitalquote (-1,8%), das Ebit (+1,9 Mio. Euro) und der operative Cashflow (+34,5 Mio. Euro).

Kommentar: Der SH-Investor findet es ehrlichgesagt unglaublich schwachsinnig Mietverträge künftig praktisch wie Fremdkapital zu behandeln. Zwar mögen sich beide Verträge in ihrer Art durch künftige Zahlungsverpflichtungen ähneln, doch anders als bei einem Darlehen sieht Der SH-Investor keinen sofortigen Leistungseintritt, der demzufolge zu passivieren wäre. Während ein Darlehen in der Regel sofort ausgezahlt wird, entsteht der Nutzen bei Mietverträgen (sprich: Die Benutzung von Räumlichkeiten) erst in dem Geschäftsjahr, für welches die Miete auch tatsächlich gezahlt wird. Es ergibt aus meiner Sicht daher keinen Sinn, die eigene Bilanz durch den Abschluss eines langfristigen Mietvertrages mit Fremdkapital vollzutanken. Aber offenbar wünscht das IFRS-Board dies so. Eine simple Auflistung mit künftigen Zahlungsverpflichtungen im Anhang des Jahresabschlusses hätte es jedoch wohl auch getan.

Genussschein-Urteil vor dem Landgericht Lübeck
Abschließend berichtete Lescow noch vom Genussschein-Urteil des Landgerichtes Lübeck. Darüber hatte Der SH-Investor bereits am vergangenen Mittwoch berichtet. Dennoch vermochte Lescow noch ein paar Neuigkeiten zu berichten: So sei der Urteilsbetrag in Höhe von 8,- Euro pro Genussschein, bzw. rund 1 Mio. Euro insgesamt von den gebildeten Rückstellungen gedeckt. Auf die Aktionäre kämen demnach also keine zusätzlichen Aufwendungen zu.

Ob dies jedoch auch für die anfallenden Verzugszinsen gilt, machte Lescow keine Angaben. Derzeit werde das Urteil noch im Drägerwerk geprüft. Man wisse daher derzeit nicht, ob man in Berufung gehen wird. Dies werden die kommenden Tage und Wochen zeigen, so Lescow.

Erste Aktionärsrede: Josef Gemmeke, SdK
Dann kamen die Aktionärsreden an die Reihe. Den Auftakt machte Josef Gemmeke, welcher die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) vertrat. Dieser kritisierte eine bei Dräger „ausgeprägte und gelebte Überkomplexität“. Dies münzte er vor allem auf die komplizierte Kapitalstruktur mit Vorzugs- und Stammaktien, sowie ausstehenden Genussscheinen. Gemmeke forderte die Unternehmensführung daher auf, alle drei Wertpapiergattungen zu Stammaktien zusammenzuführen. Hierauf gingen jedoch weder Vorstand noch Aufsichtsrat genauer ein.

Auch weshalb es zum ergangenen Urteil des Landgerichtes Lübeck keine Ad-hoc-Meldung oder Pressemitteilung gegeben habe, wollte Gemmeke wissen. Gert-Hartwig-Lescow hatte dazu keinen Anlass gesehen, da „keine Insiderinformation von unserer Seite vorgelegen“ habe. Zudem sei die eine Million Euro angesichts der Dräger-Bilanzsumme und des Eigenkapitals ein eher kleinerer Anteil und habe keinen Einfluss auf andere Bereiche gehabt.

Abschließend kritisierte Gemmeke den geringen Dividendenvorschlag und kündigte unter anderem deshalb an, Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten zu wollen. Die Vorstandsvergütungen, sowie deren Vorsorgeaufwendungen seien deutlich zu hoch. Die neuen Business Units lobte Gemmeke hingegen ausdrücklich. Weitere Fragen von Josef Gemmeke und die Antworten in Kürze (Name der beantwortenden Person in Klammern):

Hält die Familie Dräger eigene Genussscheine?
Weder das Unternehmen, noch die Familie Dräger halte nach seinem Wissen Dräger-Genussscheine. (Lescow)

Genussscheine als Grund für die geringe Dividende?
Die Dividendenhöhe bemesse sich nach dem langfristigen Unternehmensinteresse. Auf die Interessen einzelner Aktionäre (gemeint war die Familie Dräger) werde dabei keine gesonderte Rücksicht genommen. Letztlich sei der Dividendenvorschlag jedoch ein Kompromiss aus verschiedenen Interessenslagen. Die Genussscheine seien jedenfalls nicht der Grund für die geringen Dividenden. (Lescow)

Ermittlung des Anteils der Nachhaltigkeitsaktionäre?
Die Angaben zum Anteil der Nachhaltigkeitsaktionäre beruhen auf der sogenannten ShareholderID. Diese werde in einer Untersuchung im Rahmen einer freiwilligen Umfrage unter Investoren ermittelt. (Lescow)

Erhöhung der Mitarbeiterzahl in Q1/2019 gegenüber dem Vorjahr um rund 750 – Warum?
Die Neueinstellungen gingen auf das Investitionsprogramm zurück. Rund zwei Drittel hätten im Vertrieb oder im Service stattgefunden. 100 Personen kamen in der Logistik unter, 60 in der Produktion, 40 in der Forschung & Entwicklung. (Dr. Piske)

Wird zwecks Innovationen und Recruiting neuer Köpfe mit Unis, StartUps, etc. zusammengearbeitet?
Selbstverständlich werde mit Universitäten und StartUps zusammengearbeitet. Es gebe unter anderem auch Ausbildungstage. Erst letztens habe das Drägerwerk in einen Gründungsfond investiert. (Schrofner)

Vertragsverlängerung mit Stefan Dräger nach Februar 2020?
Der Aufsichtsrat werde sich rechtzeitig mit der Vertragsverlängerung mit Stefan Dräger befassen. Dies stehe bereits auf der Tagesordnung zur nächsten Aufsichtsratssitzung im September. (Lauer)

Zweite Aktionärsrede: Dr. Dirk Unrau, DSW
Anschließend trat Dr. Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) an das Rednerpult. Es sei wohl keine Überraschung, dass sich „meine Begeisterung angesichts des Ergebnisses in Grenzen hält“, begann Unrau. Es folgten zahlreiche pointierte Ausführungen. Unrau kritisierte unter anderem die Entwicklung der Dräger-Aktie. „Seit Jahren setzen Sie auf Entwicklung, doch es kommt einfach nichts. Es kommt nichts!“, echauffierte er sich. Es folgte Szenenapplaus aus den überraschend gut gefüllten Zuschauerreihen der MuK.

Das Genussschein-Urteil, wonach Dräger mehr als das Doppelte der ursprünglich gezahlten Abfindung zu leisten hätte, nannte Unrau „heftig“, zumal es bereits damals auf der Hauptversammlung entsprechende Warnungen gegeben habe. An den Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Lauer gerichtet, sagte Unrau, er solle sich einmal ernsthaft über die Höhe der Vorstandsvergütung Gedanken machen. Das Drägerwerk brauche jemanden, der das Unternehmen voranbringt. Das Drägerwerk müsse entweder die Kosten- oder die Technologieführerschaft innehaben.

Bei der Dividende wollte Unrau nur deshalb zustimmen, weil es „ansonsten womöglich gar keine Dividende gibt“. Abschließend richtete er ein Appell an die Unternehmensführung: „Kümmern Sie sich mehr um die Aktionäre!“ Vorstand und Aufsichtsrat würdigten Unrau während dessen gesamter Rede nur weniger Blicke. Weitere Fragen von Dr. Unrau und Antworten in der Kurzfassung:

Weitere Einschätzungen zum Genussschein-Urteil?
Für die nun geurteilte Entschädigung sei nach Ansicht des Gerichtes der Kurs der Genussscheine – anders als bei Aktien – nicht ausschlaggebend gewesen. Damit sei das Landgericht der Hauptgutachterin im Prozess gefolgt. Diese Auffassung teilt das Drägerwerk jedoch nicht. Derzeit wird geprüft, ob man in Berufung geht oder den Rechtsfrieden wählt. (Lescow)

Mehrkosten in der Logistik und Qualitätssicherung?
Die Logistikkosten seien überplanmäßig um 15 Mio. Euro gestiegen. 5 Mio. davon fielen bereits in 2018 an, die restlichen 10 Mio. Euro verbleiben voraussichtlich für 2019. Die Kostensteigerungen für die Qualitätssicherung gingen teilweise auf eigene Fehler, teilweise auch auf stärkere Regulierungen zurück. (Klug)

Absicherung der Währungseffekte – richtige Strategie?
Das Drägerwerk habe einen Fremdwährungsanteil von rund 57%. Die Absicherung von Wechselkursen im Rahmen von Termingeschäften erfolge nur dort, wo dies wirtschaftlich sei. Absicherungsgeschäfte seien jedoch mit erheblichen Kosten verbunden, weshalb keine 100%ige Absicherung erfolgen könne. (Lescow)

Negative Cashflow-Entwicklung – warum?
Die Entwicklung gehe vor allem auf das laufende Investitionsprogramm, sowie auf die gestiegenen Vorräte zurück. Die Vorräte seien unter anderem wegen des Brexits erhöht worden. (Lescow)

In den Unternehmenszielen wird das Ebit ohne Restrukturierungsaufwand angegeben. Wie hoch wird es mit Restrukturierungsaufwand sein?
Die Restrukturierung sei ein laufender Prozess, daher könne dazu aktuell keine Auskunft gegeben werden. Mehr Informationen gebe es im laufenden Jahr. (Dräger)

Dritte Aktionärsrede: Herr Dr. M.
Hinweis: Bei allen Aktionärsrednern, die keine Vertreter größerer Verbände oder sonstwie Personen des öffentlichen Lebens sind, kann die Darstellung des Namens aus Datenschutzgründen leider nur anonymisiert erfolgen.

Danach trat der Aktionär Herr Dr. M. an das Rednerpult. Er sei selbst Genussschein-Inhaber und kritisierte die hohe Verzinsung der einstmals ausgegebenen Wertpapiere. Bei den Aktien kommt er demnach auf eine jährliche Verzinsung in Höhe von 13%, bei den Genussscheinen sogar auf jährlich 40% des Ursprungsbetrages. „Als Unternehmer würde mir angesichts dieser Zahlen schlecht werden“, kritisierte Herr M. Er wollte daher wissen, ob man diese Konstellation nun ewig beibehalten wolle. Hierauf gab es jedoch leider keine Antwort von Vorstand oder Aufsichtsrat.

Auch die geringe Profitabilität wurde von Herrn M. kritisiert. Während andere Medizintechnik-Unternehmen zweistellige Ebit-Margen aus dem Markt zögen, gelänge dem Drägerwerk dies nicht. Dies liegt nach Ansicht von Herrn M. an der hohen Kostenbasis von Dräger. Er kritisierte einen „aufgeblasenen Personalapparat“. Das Argument der hohen Qualität der Dräger-Produkte wollte er jedenfalls nicht gelten lassen. „Ich habe bisher nicht aus der Presse gehört, dass bei Philips oder Siemens die Geräte versagen.“

Aus Sicht von Herrn M. ist nun ein Kostensenkungsprogramm erforderlich. Dräger müsse seine Ebit-Marge jetzt hochpowern, um einen Puffer für eine mögliche Rezession bilden zu können. Hätte das Drägerwerk dieselbe Ebit-Marge wie Philips, dann kämen die Lübecker nach Herrn Ms. Berechnung auf ein Ebit in Höhe von 260 Mio. Euro. Er wollte daher von Stefan Dräger wissen, was das Unternehmen denn machen würde, falls die Umsätze mal um 10% fallen. Darauf Stefan Dräger: „Tja, was machen wir, wenn die Umsätze um 10% sinken? Was machen wir, wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt? Das sehen wir dann!“ Dass Stefan Dräger damit einen Umsatzeinbruch von 10% mit einem Untergang des Unternehmens gleichsetzen wollte, davon sollte, wenn man Stefan Dräger kennt, an dieser Stelle jedoch nicht ausgegangen werden. Die Notwendigkeit eines Kostensenkungsprogramms sieht Stefan Dräger jedenfalls nicht.

Auf eine weitere stark zugespitzte Nachfrage von Herrn M. antwortete Stefan Dräger mindestens ebenso kernig: „Was nun mein unternehmerisches Ziel ist? Die Überkomplexität pflegen? Die Genussschein-Inhaber madig machen? Die Produktivität schleifen lassen? Nicht mehr unternehmerisch denken? Den Aktienkurs runterprügeln? Ein Sozialunternehmen werden? Darauf möchte ich an dieser Stelle mit einem einzigen Wort antworten: Nein.“ Weitere Nachfragen von Herrn M. und die Antworten in der Kurzfassung:

Das 65 Mio.-Investment in GasSecure – Was hat’s gebracht?
Die Umsätze der GasSecure hätten zuletzt bei unter 10 Mio. Euro jährlich gelegen. Damit sei das Unternehmen unter den Erwartungen zurückgeblieben. Dennoch sei der Erwerb aus heutiger Sicht nicht weniger sinnvoll, da man so auch eine Entwicklungskompetenz erworben habe. Das Kundenwachstum sei langfristig angelegt, auch wenn dies offenbar länger dauere als zuvor gedacht. Doch die Kunden seien begeistert von der Technologie. (Lescow)

Die ehemalige Dräger-Vorständin Frau Dr. Carla Kriwet ist inzwischen zum Konkurrenten Philips gewechselt. Hat sie womöglich interne Unternehmensinformationen mitgenommen?
Nach Wissen des Vorstandes habe Frau Kriwet keine Unternehmensgeheimnisse mit zu Philips nehmen können. Ohnehin läge ihr Ausscheiden (Ende 2011) lange zurück, weshalb es absurd sei, dies anzunehmen. Die Gründe für das Ausscheiden von Frau Kriwet würden vom Unternehmen an dieser Stelle nicht kommentiert. (Lescow)

Vierte und letzte Aktionärsrede: Herr A.
Als letzter Aktionär trat dann Herr A. ans Mikrofon. Er fragte, weshalb es nun ein neues System zur Vergütung des Aufsichtsrates gebe – nur ein Jahr nachdem Stefan Lauer den Aufsichtsratsvorsitz übernommen habe. Lauer parierte jedoch rasch und korrigierte, dass das neue System für die Vorstände gelte. Die Änderungen gingen auch auf gesetzgeberische und regulatorische Vorgaben zurück. Demnach habe sich der Corporate Governance-Kodex zuletzt geändert. Dem wolle man mit dem neuen System Rechnung tragen. Weitere Fragen von Herrn A. und die dazugehörigen Antworten:

Wann wurde die Höhe der Mindestdividende festgelegt, bzw. zuletzt angepasst?
Die Höhe der Mindestdividende sei bei der Ausgabe der Vorzugsaktie 1979 festgelegt worden. Seither habe sich der Betrag nicht mehr verändert. Er stehe auch in der Satzung und könne daher nicht einfach angepasst werden. (Lescow)

Wurden Dritte vom Unternehmen oder der Familie Dräger mit dem Kauf von Genussscheinen beauftragt?
Mit dem Erwerb von Genussscheinen seien auch keine Dritten beauftragt worden. Man sei rechtlich auch nicht in der Lage Genussscheine selbst oder durch Dritte „unter der Hand“ zurückzukaufen. Dies sei nach Auffassung einiger Juristen eine unzulässige Marktbeeinflussung. (Lescow)

Die Abstimmungsergebnisse
TOP 1 – Billigung des Jahresabschlusses 2018
Offenbar war der Jahresabschluss anders als zuvor berichtet doch noch durch die Aktionäre zu billigen.
99,97% Ja-Stimmen

TOP 2 – Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns
Die Mehrheit zum Dividendenvorschlag war mit -0,10% nur minimal rückläufig. Gezahlt wird eine Dividende in Höhe von 19 Cent pro Vorzugs- und von 13 Cent pro Stammaktie.
91,62%

TOP 3 – Entlastung des Vorstandes
Mit +0,15% kann sich der Vorstand sogar über eine höhere Entlastungsmehrheit als im Vorjahr freuen. Dies war so nicht von jedem erwartet worden. Offenbar verfügt die Unternehmensführung unter den Aktionären über mehr Zustimmung als gedacht.
99,87%

TOP 4 – Entlastung des Aufsichtsrates
Das Ergebnis ist aus Sicht des Aufsichtsrates um 0,22% zurückgegangen.
98,37%

TOP 5 – Billigung des neuen Vergütungssystems für den Vorstand
Trotz nur geringer Änderungen fand das neue System bei vielen Aktionären offenbar nur wenig Anklang. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei ein Stück weit auch um eine Protestwahl gegen die Unternehmensentwicklung.
90,53%

TOP 6 – Wahl des Abschlussprüfers
Es gab nur marginale Einwände (Stichwort: Beratungsdienstleistungen) gegen die PricewaterhouseCoopers GmbH.
99,99%

Die exakten Abstimmungsergebnisse und weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Drägerwerks oder direkt HIER!

Den Bericht der Lübecker Nachrichten finden Sie AN DIESER STELLE!

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