Kurznachrichten KW 18/2019

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Behandelte Unternehmen:
Drägerwerk, Freenet

Die Themen:
+ Dräger-Analysen: Einmal „Sell“ und einmal „Hold“
+ Freenet weiterhin unglücklich über Sunrise-Deal
+ Freenet-Aktionär BlackRock baut ab
+ Analysten uneins über Freenet
+ Freenet-Beteiligung Ceconomy startet Sparprogramm

Dräger-Analysen: Einmal „Sell“ und einmal „Hold“
Das Analysehaus Independent Research hat sich in der vergangenen Woche die Aktie des Drägerwerks einmal genauer angesehen und seine Empfehlung auf „Verkaufen“ belassen. Das Kursziel sank um einen Euro auf nun 43,- Euro. Analyst Stefan Röhle sieht das Drägerwerk weiterhin in einer Übergangsphase. Dies zeige laut Röhle das Umsatzwachstum bei operativem Verlust. Das Wachstum der Auftragseingänge bewertet Röhle hingegen als Lichtblick.
Auch die Deutsche Bank hat einen Blick auf die Dräger-Aktie riskiert, kommt jedoch zu einem anderen Schluss als Independent Research. Analyst Falko Friedrichs empfiehlt die Dräger-Papiere zu „Halten“ bei einem um einen Euro gestiegenen Kursziel von 46,- Euro. Laut Friedrichs habe das Drägerwerk Fortschritte gemacht, jedoch sei die weitere Entwicklung schwer vorherzusehen. Zudem bestünde die Möglichkeit weiterer Restrukturierungsmaßnahmen inklusive fälliger Sonderkosten.

Freenet weiterhin unglücklich über Sunrise-Deal
Im Februar hatte die schweizer Sunrise AG – eine 25%-Beteiligung von Freenet – angekündigt, den schweizer Kabel-Anbieter UPC für stolze 6,3 Mrd. Franken übernehmen zu wollen. Nicht nur die Freenet AG zeigte sich über den Deal unglücklich. Im Interview mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX bekräftigte Freenet-CFO Ingo Arnold nun, dass Freenet der anstehenden Kapitalerhöhung vermutlich nicht zustimmen wird. Eine tatsächliche Entscheidung ließ er jedoch weiterhin offen. Arnold zeigte sich zudem irritiert, dass die Sunrise-Führung auch gegen den Willen des größten Aktionärs weiterhin an ihren Plänen festhalte.
Freenet kritisiert vor allem, dass der von vielen Anlegern als zu hoch empfundene Kaufpreis in bar bezahlt werden soll. Die Gesellschaft sieht zudem die Risiken des Deals nicht gerecht verteilt. Außerdem deutete Arnold im Interview an, dass das erste Quartal 2019 für Freenet nicht allzu gut gelaufen sein könnte. Man sehe, dass der Markt schwierig sei. Freenet wolle sich daher vermehrt auf seine Profitabilität konzentrieren, so Arnold.

Freenet-Aktionär BlackRock baut ab
In der vergangenen Woche hat sich laut Stimmrechtsmitteilungen einiges in der Aktionärsstruktur getan. So hat der US-Vermögensverwalter BlackRock Inc. seinen Freenet-Anteil in zwei Schritten von 6,40% auf 5,97% verringert. Zudem gab es ebenfalls auch zwei Stimmrechtsmitteilungen von iShares. Dieses Unternehmen habe seinen Anteil von 3,40% auf 3,14% verringert.
Auch wenn die meisten anderen Webseiten es weiterhin anders handhaben, bleibe ich bei der Ansicht, dass aus den Stimmrechtsmitteilungen klar ersichtlich ist, dass der iShares-Anteil bereits bei BlackRock eingerechnet ist. Bei iShares handelt es sich um eine Tochtergesellschaft von BlackRock. Ich werde den iShares-Besitzanteil im Freenet-Portrait auf dieser Seite daher nicht gesondert ausweisen.
Neben seinem 5,97%igen Anteil hat BlackRock in der vergangenen Woche zudem weiter Freenet-Aktien leerverkauft. Laut Daten des Bundesanzeigers ging es von zuvor 1,10% auf eine Nettoleerverkaufsposition von jetzt 1,22% nach oben. Nach Lesart von Aktiencheck.de sind damit derzeit 4,02% der Freenet-Aktien nettoleerverkauft.

Analysten uneins über Freenet
Auch nach den jüngsten Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 scheinen sich die Analysten noch nicht so ganz einig zu sein, wohin die Reise bei Freenet geht. Jefferies beispielsweise empfiehlt die Aktie zu „Kaufen“ bei einem Kursziel von 23,40 Euro. Laut Analyst Ulrich Rathe sei die Aktie im Branchenvergleich momentan attraktiv bewertet.
Ganz anders sieht dies die schweizer Großbank UBS. Dort hat man die Freenet AG von „Neutral“ auf „Sell“ herabgestuft. Das Kursziel sank zudem von zuvor 17,- auf nun 16,- Euro. Nach Ansicht von Analyst Polo Tang seien die Hoffnungen auf sinkende Großhandelspreise für Wiederverkäufer und ein viertes Mobilfunknetz von 1&1 Drillisch inzwischen komplett eingepreist. Zudem sieht Tang längerfristige Risiken für Freenet durch die Veränderungen am Mobilfunkmarkt. Auch das TV-Geschäft habe sich in 2018 nicht positiv entwickelt.
Nach der UBS-Analyse gab es für die Freenet-Aktie kein Halten mehr. Der Kurs brach zeitweise deutlich ein und konnte sich nur langsam davon erholen. Ob die Anleger der Analyse tatsächlich zu recht so viel Bedeutung beimessen, möchte Der SH-Investor an dieser Stelle einmal infrage stellen.

Freenet-Beteiligung Ceconomy startet Sparprogramm
Am Montag in der vergangenen Woche gab die Ceconomy AG, an welcher die Freenet mit 9,1% beteiligt ist, bekannt, sich einem Sparkurs zu unterwerfen. Über diesen war bereits schon lange spekuliert worden. Auch Der SH-Investor hatte berichtet. Nun kam also die offizielle Bestätigung. Details über einen möglichen Stellenabbau in Höhe der spekulierten 700 Jobs gab Ceconomy darin jedoch nicht preis.
Die Ceconomy-Aktie reagierte am Montag sehr positiv auf die Nachricht. In der Spitze ging es zweistellig nach oben. Nichtsdestotrotz liegt die Aktie nach wie vor deutlich unterhalb des Kurses in Höhe von 8,50 Euro, zu dem Freenet im vergangenen Juni bei Ceconomy eingestiegen war.


Ausblick auf die neue Woche
Am Dienstag soll erneut das erstinstanzliche Urteil im Genussschein-Prozess zwischen dem Lübecker Drägerwerk und der Deutschen Balaton AG fallen. Es ist der inzwischen dritte Versuch, ein Urteil vor dem Lübecker Landgericht zu verkünden. Ob es tatsächlich dazu gekommen ist, wird man jedoch voraussichtlich erst am Mittwoch oder Donnerstag erfahren können.
Am Donnerstag stehen dann gleich mehrere Termine an. Neben der Comdirect-Hauptversammlung – zu welcher Der SH-Investor leider nicht anreisen kann – präsentieren sowohl Basler, Freenet als auch SLM Solutions ihren Q1-Bericht. Bezüglich Freenet sollten Anleger angesichts des Termines etwas Vorsicht walten lassen. In einem Interview hatte CFO Arnold zuletzt von schwierigen Märkten gesprochen und so schwache Zahlen angedeutet (siehe oben).
Am Freitag gibt es dann noch die jährliche Hauptversammlung beim Drägerwerk in Lübeck. Der SH-Investor „freut“ sich schon auf trockene Brezeln und wird aus Lübeck berichten.

Ein Kommentar

  1. Guten Morgen Herr Nissen,
    im dritten Anlauf gab es gestern ein Urteil im Dräger Genussscheinprozess.
    Die HV am Freitag werde ich zum ersten Mal nach 10 Jahren nicht besuchen.

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