Jahresrückblick 2018: Folge 1 – Die Tops und Flops des Jahres

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Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, einmal zurückzublicken und die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen. In unserer neuen Serie, welche wir rund um die Festtage veröffentlichen werden, schauen wir deshalb ab sofort u.a. auf die Tops und Flops aus 2018, werden sehen wie sich die Aktienkurse der SH-Unternehmen entwickelt haben und küren schließlich „Schleswig-Holsteins Manager des Jahres“. Heute: Die Tops und Flops des Jahres

Die Tops des Jahres:

Die Edding-Hauptversammlung
Die Hauptversammlung der Edding AG aus Ahrensburg war nach Meinung des SH-Investors Schleswig-Holsteins beste Hauptversammlung in diesem Jahr. Ein Abholservice für jene Aktionäre, die über öffentliche Verkehrsmittel anreisen, eine gute leibliche Versorgung der Besucher und jede Menge Gadgets für jeden, der sie denn haben wollte sprechen für einen insgesamt sehr positiven Umgang der Edding AG mit den Aktionären.
Dies erstaunt umso mehr, da es sich bei den Teilnehmern der Hauptversammlung fast ausschließlich um nicht stimmberechtigte Vorzugsaktionäre handelt. Von diesem fairen Umgang mit den Miteigentümern könnte sich so manch’ anderes Unternehmen durchaus noch eine Scheibe abschneiden.

Freenet kämpft wie ein Löwe um 5G-Zukunft
Bereits seit langem waren die Probleme für Freenet im Rahmen der 5G-Vergabe abzusehen. Mit dem angedachten Wegfall der Dienstanbieterverpflichtung hätte Freenet womöglich für alle Zeiten den Anschluss an die moderne Technik verloren. In diesem Fall hätte die Zukunft des gesamten Unternehmens auf dem Spiel gestanden. Doch Freenet hat alle Kräfte mobilisiert, alles gegeben was ging und gekämpft wie ein Löwe. Viele Gespräche mit politisch Beteiligten hat man hinter verschlossenen Türen geführt, Lobbyarbeit betrieben und mit der Website „diensteanbieterverpflichtung.de“ sogar einen ganzen Internetauftritt aus dem Boden gestampft.
Letztlich hat Freenet dem Kampf um faire 5G-Vergabebedingungen zwar nicht auf ganzer Linie gewonnen, aber eben auch nicht auf ganzer Linie verloren, wonach es lange Zeit aussah. So ist es im Rahmen der Vergabebedingungen immerhin gelungen, einen tragfähigen Kompromiss zwischen allen Beteiligten zu erwirken. Wie positiv der Kompromiss aus Freenets Sicht tatsächlich zu bewerten ist, steht momentan zwar noch in den Sternen. Aber Freenet hat gekämpft wie ein Löwe und gehört mit diesem Engagement zu unseren Tops.

Tag der offenen Tür bei SLM Solutions
Zwar lief das Gesamtjahr 2018 für SLM Solutions alles andere als gut, doch mit dem Tag der offenen Tür konnte SLM Solutions ein echtes Highlight setzen. Im Juni zur Hauptversammlung musste man die obligatorische Werksführung für die Aktionäre noch verschieben, weil die neue Fabrikhalle zu diesem Zeitpunkt noch nicht komplett fertiggestellt war.
Dafür konnte man dann Ende August die Öffentlichkeit zum großen Tag der offenen Tür einladen. Und gekommen waren viele tausende Besucher. Zeitweise wirkte das an sich sehr große Gelände fast schon überfüllt, so hoch war der Andrang. In jedem Fall war der Tag der offenen Tür ein großer Erfolg für SLM Solutions. Leider war es wohl der einzige wirklich frohe Tag des Unternehmens in diesem Jahr.

Innovation des Jahres: Der Edding-Code
Bereits auf der Hauptversammlung im Juni wurde die Idee des Edding-Codes den Aktionären vorgestellt. Diese Invention klang zwar alles in allem sehr schön, doch man hatte den Eindruck es handele sich hierbei eher um eine Technik, die noch viele Jahre bis zur Marktreife benötigen, sofern sie es überhaupt soweit bringen würde. Doch im November überraschte das Unternehmen mit der Vorstellung des fertigen Edding-Codes. Man befindet sich bereits in der Erprobungsphase mit mehreren Testkunden.
Es mag zwar durchaus sein, dass sich der Edding-Code auf dem Markt letztlich nicht durchsetzen kann, doch allein die Idee und ihre Durchsetzung zeigt, dass Edding von der Wirtschaftswoche wohl zu recht zu Deutschlands innovativstem Mittelständler gekürt wurde. Der Schutz der Erfindung durch mehrere Patente könnte den Edding-Code früher oder später ohnehin noch zu einer lohnenswerten Einnahmequelle machen.

Die Flops des Jahres:

Pleiten, Pech und Pannen bei Freenet-Investment
Im Juni stieg die Freenet AG bei Ceconomy ein. Bereits die Tatsache, dass der erworbene 9,1%ige Anteil in der Pressemitteilung mit dem Begriff „rund 10%“ sehr großzügig umschrieben werden musste – wohl um den hohen Kaufpreis zu rechtfertigen – ließ beim SH-Investor die Alarmglocken schrillen. Nichtsdestotrotz versuchten die Freenet-Manager den Aktionären diesen Kauf als „strategisches Investment in die Zukunft“ schmackhaft zu machen. CEO Vilanek kündigte in einem Interview gar an, er habe mit Ceconomy noch viel vor.
Stand heute ist davon jedoch noch nicht viel zu sehen. Ein echtes Konzept, mit dem Freenet durch seinen Anteilserwerb bei Ceconomy künftig punkten will, ist immernoch nicht bekannt. Gerüchten zufolge war der Einstieg auch kein strategisches Investment, sondern vielmehr eine Nacht- & Nebelaktion, um Ceconomy aus einem Liquiditätsengpass zu retten.
Und auch sonst lief bei dem Investment bisher alles schief: Der Aktienkurs wurde von der Börse geviertelt, der Gewinn vom Unternehmen gar gezehntelt und die Dividende komplett gestrichen. Die Vorstände geben sich bei Ceconomy inzwischen die Klinke in die Hand.
Bis heute ist kein Konzept veröffentlicht worden, wie man die Ceconomy aus der Krise führen möchte. Das alles sind wohl keine guten Aussichten, die die Aktionäre glauben ließen, 2019 würde es bei Ceconomy besser laufen. Womöglich hat Freenet die investierten 277 Mio. Euro gegen die Wand gefahren, musste diese Millionen seinerzeit jedoch riskieren, um nicht den wichtigsten Vertriebskanal zu verlieren.

Dräger-Hauptversammlung
Die Hauptversammlung beim Drägerwerk ist schon lange kein Leckerbissen mehr für die Aktionäre, obwohl bis vor einigen Jahren noch durchaus respektable Speisen und Getränke serviert wurden. Doch seit 3 Jahren gilt bei Dräger offenbar ein strikter Sparkurs – nur am Tag der Hauptversammlung, versteht sich – so könnte man meinen, wenn man die Dräger-Hauptversammlungen besucht. Seit 2016 gibt es auf der stundenlangen Hauptversammlung nur noch trockene und zudem salzige Brezeln zu essen. Um etwas trinken zu dürfen muss persönlich darum gebeten werden. Andere Möglichkeiten, an etwas Nahrhaftes zu gelangen gibt es in der Lübecker Musik- und Kongresshalle nicht. Dies ist angesichts der völlig überalterten Aktionärsstruktur mit teils sehr treuen Aktionären, die selbst im sehr hohen Alter noch die Hauptversammlungen besuchen ein kaum vertretbarer Umstand.
Es scheint, als wolle man bei Dräger mit den eigenen Aktionären inzwischen nichts mehr zu tun haben und die Zahl der Besucher künftig noch weiter nach unten treiben. Bereits in diesem Jahr wurde mit nur noch rund 200 Besuchern ein neuer Tiefpunkt erreicht. Damit müssen wir die Dräger-Hauptversammlung leider zur schlechtesten ihrer Art in Schleswig-Holstein für dieses Jahr küren. Auch für das kommende Jahr wird die Dräger-HV bereits wieder als heißer Favorit auf diesen Negativ-Titel gehandelt. Kein Wunder, dass ein Dräger-Investment an der Börse kaum noch jemandem so recht Freude bereiten mag. Der Aktienkurs tendiert entsprechend.

SLM Solutions gerät in die Krise
Auch beim zweiten börsennotierten Unternehmen aus der hiesigen Hansestadt hatten die Lübecker Aktionäre in diesem Jahr nicht viel zu lachen, denn auch SLM Solutions erwischte ein rabenschwarzes Jahr. Mehrfach mussten Umsatz- und Gewinnprognosen gekürzt werden und auch die aktuell gültige Prognose scheint kaum noch erreichbar. Viele Beobachter rechnen daher auch weiterhin mit einem Verfehlen der Jahresziele*.
Dazu kommen auch noch Probleme im Innern des Unternehmens. Schon seit Jahren hält ein Manager den Stuhl bereits wieder für den jeweils Nächsten warm. In diesem Jahr kam es zu zwei weiteren Abgängen. Nachdem als erstes der bei den Aktionären beliebte Produktionsvorstand Henner Schöneborn seinen Vertrag auslaufen ließ, kündigte später auch Vorstandsvorsitzender Uwe Bögershausen seinen Rücktritt an. Dabei ist Uwe Bögershausen seinerseits bereits lediglich als Interims-Chef eingesetzt. Und auch der Dritte im Vorstands-Bunde, Dr. Axel Schulz, kam erst in diesem Jahr neu in das Unternehmen. Zwischenzeitlich konnte die vakante Stelle von Henner Schöneborn immerhin mit Dr. Gereon Heinemann neubesetzt werden. Wann SLM Solutions hingegen einen Ersatz für Uwe Bögershausen finden wird, steht momentan noch in den Sternen.
Letztlich bleibt den Aktionären bei SLM Solutions wie immer nichts anderes übrig, als auf eine Besserung im kommenden Jahr zu hoffen.


Jahresrückblick 2018 – Alle Folgen:
Folge 1: Die Tops und Flops des Jahres
Folge 2: Die Kursentwicklung der SH-Unternehmen
Folge 3: Schleswig-Holsteins Manager des Jahres
Folge 4: Die meistgelesenen Beiträge 2018


Hinweis:
* Dieser Bericht wurde bereits einige Tage im Vorraus fertiggestellt. Der geplanten Veröffentlichung kam SLM Solutions dann um wenige Stunden in der Tat mit einer Gewinnwarnung zuvor. Über diese berichten wir HIER!

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